Amour fou auf Englisch

24. Januar 2012 | Von | Kategorie: Aufmacher, Theater

Der deutsche Schlagerfan weiß: Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Ein Gastspiel des “White Horse Theatre” zeigt mit einem englischsprachigen Liebesdrama derzeit im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZiBB) wie weit die Manipulierbarkeit des Menschen dabei gehen kann. Es stammt von einem der bedeutendsten nordamerikanischen Gegenwartsdramatikern, Neil LaBute (Jahrgang 1963) und heißt “The shape of things” (2001 uraufgeführt). Auf Einladung des „Keller Theatre“, in Zusammenarbeit mit dem „Verein für interkulturelle Bildung und Begegnung“, gastiert das „White Horse Theater“ mit seinem Stück an den kommenden Wochenenden im ZiBB. Am vergangenen Freitagabend (21. Januar 2012) kam die Gastspiel-Aufführung in den gut besuchten Vereinsräumlichkeiten erstmalig zur Aufführung.

In den Mittelpunkt von „The shape of things” stellt LaBute eine unerhörten Liebesbeziehung und stellt damit die Frage, wie weit man zur Verwirklichung individueller Sehnsüchte gehen darf. In einer modernen Adaption des Pygmalion-Themas formt sich die Kunststudentin Evelyn Ann Thompson (Terri Musson) einen gleichaltrigen Studenten nach ihrem Bilde. Unter ihrem Einfluss wird aus Adam Sorenson (Soane Latimer), dem anglistikstudierenden Nerd, ein gutgekleideter Beau. Eine Verwandlung die auch die Freundschaft von Jenny (Lindsay Konieczny) und Phillip (Will Matthews) gehörig durcheinanderbringt. Der Preis den Adam für die Liebe zu Evelyn zahlen muss wird im Stückverlauf immer höher. Verstörend und bedrohlich steuert die Handlung von „The shape of things“ auf ein Ende mit Schrecken zu, mit dem Evelyn alle Beteiligten inklusive des Publikums schockiert.

Regisseur Michael Dray von „White Horse Theatre“ machte aus dem Stück ein intensives Kammerspiel, dass sich eng an LaButes Textvorlage hält. Die vier Ensemblemitglieder, die allesamt an britischen Schauspielakademien studierten, präsentieren englischsprachiges Sprechtheater, dem man gut folgen kann. Auch wenn es manchmal an szenischen Einfällen fehlt, ist der Theaterabend dank der engagierten Arbeit der Schauspieler atmosphärisch dicht. Terri Musson in der Rolle der attraktiven Femme fatal hält die Fäden in der Hand und bleibt als Evelyn allen intellektuell überlegen. Lindsay Konieczny verkörpert die Jenny als ein harmloses Kleinstadtmäuschen, das der übergriffigen Evelyn nichts entgegen zusetzen weiß. Einzig der wutgeladene Will Matthew versucht in der Rolle des Phillip Evelyns Willen zu brechen – doch auch er muß dafür eine hohen Preis zahlen. Last but not least bleibt Soane Latimer als Adam in LaButes Drama Evelyn hörig und erleidet einen gehörigen Realitätsverlust. Latimer spielt vortrefflich den smarten Typen, der zum Opfer seiner eigenen Hilflosigkeit wird und keinen Ausweg aus dieser Amour fou findet.

Das „White Horse Theatre“ ist eine professionelle Theatertruppe. Alljährlich schicken sie 4 muttersprachliche Ensemblemitglieder auf Tournee im deutschen Raum und den Benelux-Staaten. Hauptsächlich zeigen sie ihre Stücke in Schulen und Bildungseinrichtungen.

„The shape of things“ richtet sich vorrangig an Oberstufenschüler und Erwachsene mit fortgeschrittenen Englischkenntnissen. Weitere Vorstellungen sind für den 27., 28. Januar und am 2., 3. und 4. Februar geplant.

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