Aufklären statt belehren

8. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Theater

Zum dritten Mal unterstützt die AIDS Hilfe Gießen e.V. eine Theaterproduktion die sich mit dem Thema AIDS auseinandersetzt. Am vergangenen Samstag (3. Dezember 2011) wurde diese anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember als Gastspiel auf der TiL-studiobühne aufgeführt. Die postdramatische Bühnenperformance trägt den Namen „Und alle so: Oh!“.

Nach wie vor prägen Wissensdefizite den Umgang mit der Viruserkrankung. In ihrer Präventionsarbeit erleben die Mitarbeiter der AIDS-Hilfe eine Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. Dazu kommen Missverständnisse, vorurteilsbedingte Ängste und Klischees im Umgang mit dem HI Virus. Das Stück greift die Missstände ungefiltert und eindringlich auf und zeigt das Präventionsarbeit aufklären kann, ohne zu belehren.

„Und alle so: Oh!“ denkt sich in das Leben von drei Figuren hinein, die unterschiedlich von HIV betroffen sind. Verkörpert werden sie von den jungen Darstellern Andrea Riehl, Annika Stoll und  Doménico Talarico. Unter der Anleitung der Theaterpädagogin Tabea Eifert aus München entwickelten sie ihren je eigenen Blick auf das Thema AIDS. In drei isolierten Kammern stehen sie nebeneinander im Bühnenbild und repräsentieren damit drei Grunderfahrungen mit der Krankheit. In körperbetonten, irritierenden Kurzszenen öffnen sie wechselnd den Blick für die Situation einer AIDS Patientin (Mehl), eines durch Angst gelähmten Jugendlichen (Stoll) und eines jungen Mannes, der den Tod seines Freundes betrauert (Talarico). Eine Welt voller Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung, die von den Performern auf der Bühne durchlebt wird. Ein Textfragment des Stückes, das die drei Perspektiven verbindet, lautet: „Du hast gemerkt, dass du zerbrechlich bist“.

Das Theaterstück ist für die präventive Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelt worden. Anhand von weiterführenden Materialen wird ein Sensiblisierungs- und Identifikationsprozess in Gang gesetzt, der ein Bewusstsein für das Thema schaffen und vorhandene Kenntnisse vertiefen soll. Als weiteres pädagogisches Medium der Sexualerziehung entsteht derzeit auf der Grundlage von „Und alle so: Oh!“ ein Film, der in die Arbeit von Schulen und anderen Bildungsträgern eingebunden werden kann.

Ziel ist es, Jugendlichen und Pädagogen den Zugang zu dem Thema zu erleichtern und den Kanon der gewöhnlichen Unterrichtsmitteln zu erweitern. Dabei soll ein nachhaltiger Impuls gesetzt werden, der nicht nur die Wissensebene berührt, sondern ein umfassenderes Begreifen möglich macht. Bei etwa 3000 Neuansteckungen 2010 allein in Deutschland ist dies eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht mit dem Theaterabend enden darf.

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