Wo zusammen wächst, was zusammen gehört
29. November 2011 | Von Marko Karo | Kategorie: Theater
Am vergangenen Freitagabend feierte das englischsprachige Musical „Happy End“ auf der Musiksaal-Bühne im Philosophikum II Premiere. Das Keller Theater zeigt gemeinsam mit dem Institut für Musikwissenschaft Kurt Weills und Bertolt Brechts Bühnenwerk, das 1929 uraufgeführt wurde. Erzählt wird die Geschichte von zwei denkbar unterschiedlichen Lebenswelten, die erst langsam verstehen was sie verbindet – eine alles entscheidende Romance gibt es inklusive.
Ort der Handlung ist Chicago in den 1920er. Die Heilsarmee um die mildtätige Lillian Holiday und die sechsköpfige Gangsterbande unter Führung der unberechenbaren „Lady in Gray“ treffen in „Bill´s Beer House“ aufeinander. Lillian findet in dieser Dezembernacht gefallen an dem Gangster Bill Cracker. Dadurch gerät sie in Konflikt mit ihren strenggläubigen Glaubensbrüdern und -schwestern und wird kurzerhand aus der Heilsarmee ausgeschlossen. Bill wird durch die reizvolle Lillian daran gehindert, an einem Raub mit seiner Bande teilzunehmen – ein Vorfall der ihn sein Leben kosten kann. Schließlich und erwartungsgemäß wächst in „Happy End“ zusammen, was zusammen gehört: Lillian wird wieder in die Heilsarmee aufgenommen, sie und Bill verloben sich und Kreuz und Kriminelle tun sich zusammen, um zukünftig gemeinsam den Kampf gegen menschenverachtende Praktiken von Banken und Bourgeoisie aufzunehmen.
Alles stimmt in Martin P. Koops Inszenierung: Rhythmus, Spaßdosis, Temperament der Darsteller und die choreographierten Tanzsequenzen. Der Regisseur kostet die Gangstergeschichten-Parodie in vollen Zügen aus: Wenig überraschend finden sich im Verbrechermilieu aufreizende Mädchen und egomane Ganoven, bei denen einer cooler als der andere sein will. Demgegenüber stehen die uniformierten Mitglieder der Heilsarmee, die Gottes Wort in die Welt tragen wollen, um die Seelen der Menschen zu retten.
Vocal Coach Nicole Tamburro hat alle Bühnenakteure zu bemerkenswerter gesanglicher Qualität gebracht. Anna-Maria Walter als Lillian verzaubert ihr Publikum mit ihrer warm-mitreißenden Stimme und sorgte mit ihren Soli „Surabaya Johnny“ und „The Sailor`s Tango“ für begeisterten Zwischenapplaus. In der Rolle der engagierten Christin gelingt es ihr glaubhaft, die Musik als Zeichen der göttlichen Liebe in die Welt zu tragen. „God is always advertising“, lautet ihr Credo. Sergej Gil, erstmals im Keller Theatre Ensemble, spielt den unnahbaren Unterweltplayboy Bill Cracker. Auch andere Keller-Theater-Debütanten können sich sehen lassen: In ihrer Hosenrolle als Baby Face hinterlässt Anne-Kathrin Abel einen glänzend burschenhaften Eindruck. Alexander-Lars Dallmann zeigt mit seiner Darstellung des Dr. Nakamura, dass auch wenige, schauspielerische Kunstgriffe genügen, um einen skurril-gefährlichen Bösewicht zu verkörpern. Die beiden Pianisten Satchin Kanse und Michel Till Weiß geben mit ihrem lebhaften Spiel und dem sicheren Gefühl für die musikalische Akzentuierung dem Ganzen den passenden Schwung.
„Happy End“ war für das Keller Theatre und die Musikwissenschaften eine goldrichtige Entscheidung – an dieser gemeinsam Aufgabe sind sie gewachsen. Weitere sechs Vorstellungen sind bis zum 10. Dezember jeweils donnerstags, freitags und samstags um 19.30 Uhr im Institut für Musikwissenschaft geplant.

