Ermittlungen um toten Afghanistan-Soldaten – Gregor Weber stellte seinen Krimi vor

8. November 2011 | Von | Kategorie: Literatur, Porträt

Gregor Weber vertieft in seinen Debüt-Krimi "Feindberührung"

Dank der medialen Aufmerksamkeit, ist das Krimifestival Gießen 2011 zu einer noch erfolgreichen Reihe angewachsen. Nahezu alle Veranstaltungen sind restlos ausverkauft. Das liegt sicher auch an den Fernsehstars die Organisator Uwe Lischper abermals nach Gießen locken konnte. Zu Beginn der dritten und letzten Woche, war nach der Eröffnung (30. September 2011) mit dem Schauspieler Armin Rohde, ein weiteres prominentes TV-Gesicht am Freitagabend (14. Oktober 2011) in Gießen zu Gast. In den Verkaufsräumen von Betten Lenth, diesjährig erstmalig Festival-Gastgeber, las Gregor Weber, bekannt durch die Rolle des Saarbrückener Tatortkommissars Stefan Deininger. Der Schauspieler, der nach eigenen Angaben, 11 Monate im Jahr vorrangig schreibt, stellte seinen diesjährig publizierten Kriminalroman „Feindberührung“ vor. Nach „Kochen ist Krieg“, in dem Weber Profiköchen über die Schulter schaute, liegt mit „Feindberührung“ nun sein zweites Buch und sein erster Krimi vor.

Die Etikettierung des Buches mit „komplexe Handlung“ bietet sich an. Und die Bilder, die das 384-seitige Schwergewicht evoziert, spuken noch lange im Kopf herum. Es sind vor allem die Aktualität des Stoffes und die dokumentarischen Einsprengsel, die den Roman zu einem „politischen Buch“ machen, wie auch Betten Lenth-Geschäftsführer Dr. Peter Nagel in seinem Eröffnungswort bemerkte.

Bereits im Startkapitel wird der Lesende unvermittelt mit den aufwühlenden Erinnerungen des Soldaten Lars Rems, der sich in Afghanistan in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation befindet, bekannt. Im Laufe dieses Feldeinsatzes wird der Mustersoldat durch eine Bombendetonation um beide Beine gebracht. Diese Feindberührung verändert sein Leben, denn nach der Rückkehr nach Deutschland verliert er den gesellschaftlichen Halt, die familiäre Bindung und zuletzt noch sein Leben durch einen brutalen Mordanschlag. Hauptkommissar Kurt Grewe und seine Kollegin Therese Svoboda ermitteln in einer unbekannt bleibenden Garnisonsstadt ohne eine heiße Spur und versuchen das Handlungsmotiv zu enträtseln. Rems Verbindungen zur Unterwelt lassen unterschiedliche Szenarien zu: Es gab Kontakte zu einem Rockerclub und in die Drogenszene. Die Ereignisse am Hindukusch wollen zunächst nicht so recht ins Ermittlungs-Mosaik passen und erst Kapitel für Kapitel kommen die fehlenden Steine hinzu, die ein Bild ergeben.

Das ist bei Weber alles minutiös recherchiert, durch Soldaten-Interviews abgesichert und mit Akribie packend erzählt. „Feindberührung“ ist kein Nachttisch-Krimi, dafür ist er zu aufwühlend. Schonungslos erzählt Weber darin über das Grauen eines Krieges, der in Deutschland lange keiner sein durfte. Sein Prosa ist sachlich und detailfreudig einem literarischen Realismus verpflichtet. Dies gilt auch für die Figurenpsyche, die Weber gerne und oft beschreibt. Dieser Schreibstil birgt jedoch die Gefahr eines Hyperrealismus und einer Überkonturierung des Erzählten, die dem Lesenden die kreative Mitarbeit abnimmt. Wer sich darauf einlässt, findet in „Feindberührung“ ein jargonsicheres Buch von einem gut beobachtenden Autoren, der eine hochaktuelle Kontroverse in seinem Krimi aufgreift. Literarisch versteht es Weber in weiten Teilen des Buches seine Figuren aus ihren sozialen Milieus heraus zu charakterisiert, ohne dass sie dadurch ihre Individualität verlieren. Sein Hauptkommissar Grewe ist dafür ein gutes Beispiel – ein Kriminalbeamter ohne echte Spürnase. Durch Eifer und Beharrlichkeit kann er dieses Handikap ausgleichen und wird so zu einem menschelnden Sympathieträger, dem auch schon einmal der Zufall nachhelfen darf ohne das der Lesende die Augen verdreht.

Mit einem aufbrausenden Schlußapplaus zeigte das 150-köpfige Gießener Publikum, dass der Roman auf Interesse stößt und seine Wirkung nicht verfehlt. Gregor Weber zumindest denkt schon über einen neuen Krimi mit Kurt Grewe nach.

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