Mit Einakter-Quintett in die neue Spielzeit

23. September 2011 | Von | Kategorie: Theater

 

The Cure

Nach der Sommerpause ist das Keller Theatre mit fünf englischen Komödchen wieder da. Der Einakter-Abend „Student Life“ feierte am Freitagabend (16. September 2011) auf der „Kleinen Bühne“ Premiere. Bereits in dieser ersten Produktion pflegt das Keller Theatre, getreu dem diesjährigen Spielzeit-Motto „Same old same new!“, die Tradition: Bei der Auswahl der Stücke war der frühere Keller Theatre-Intendant (1989-1992) Scott Lahaie behilflich, der mittlerweile in North Carolina an der Gardner-Webb University Theaterwissenschaft unterrichtet. Die überwiegend im deutschen Sprachraum unbekannten Bühnenwerke sind alle 2-Personen-Stücke.

Los geht der Abend mit “Milking Success” von Chris Cragin Day. In dem wortreichen Kurzdrama kümmert sich Mitbewohner Jack (Markus Preuß) um den von einer künstlerischen Sinnkrise heimgesuchten Filmemacher Tom (Jan Hufnagel). Überraschend gelingt dies auf ganz andere Weise als zunächst zu erwarten war. In Gruppenarbeit wurde diese Komödie vom gesamten Ensemble in Szene gesetzt.

End of the road

Ein brisantes Thema kommt mit “Mistaken Identity” von Sharon E. Cooper auf die Bühne. So ganz nebenbei erfährt Steve (Gero Guttzeit) in einem Pub irgendwo in England das Kali (Shariya Dilini Algama) eine Frau liebt. Die Situation ist doppelt schwierig: Steve hat sich den Abend anders gewünscht und Kali gerät in Konflikt mit ihrer hinduistischen Herkunft. Regisseurin Rosemary Bock fragt nach den Grenzen des Privaten unter der Macht der gesellschaftlichen Normalität.

Mit dem Rollennamen Jenny, zeigt ihre Tochter, Annika Bock, dass man auch andauernder Intimität überdrüssig werden kann. In der Gemeinschaftsinszenierung des Ensembles von „End of the Road“ (Autor: Kelly Russell) kommen Jenny und Nick (Markus Preuß) im wahrsten Sinne des Wortes an das Ende ihrer gemeinsamen Reise – alle Orte gesehen, und einander nichts mehr zu sagen.

Chess Club

Einen ganz anderen Konflikt haben John (Lukas Magel) und Jenny (Johanna Lücker) in „The Cure“ von Steven Day. Er ist mit seinem Latein am Ende was die Unordnung seiner Mitbewohnerin Jenny (Johanna Lücker) angeht. Jana Dillmanns Inszenierung ist eine Hommage an die achtziger Jahre und ein Glanzpunkt des Abends.

Mit „Chess Club“ von Leon Kaye wird eine makaber-schöne Satire gezeigt. Die attraktive Reporterin Jane (Johanna Triebel) interviewt den letzten Überlebenden eines Flugabsturzes. Ohne Betroffenheitsklischees schrieb Kaye ein Stück in dem Hubert (Lucius Wack) detailverzückt vom Krankbett aus schildert, wie er seine Schach-Kumpels nacheinander aufaß. Michel Porep hat in seiner Inszenierung Hubert eine Nerdbrille und einen Krankhaus-Umhang gesteckt – ein überraschendes Ende gibt es auch.

Schlussapplaus

Allen Ensemblemitgliedern ist die Spielfreude sofort anzumerken – die fünf Ensemble-Neulinge unterstrichen diesen Eindruck. Manch eine Pointe bleibt dennoch der mangelnden Professionalität geschuldet unpointiert und der Stoffumsetzung fehlt ab und an etwas an szenischem Schwung. Johanna Lücker und Annika Bock hinterließen einen herausragenden Eindruck.

„Student Life“ wird an den nächsten Wochenenden sechsmal zur Aufführung kommen – am heutigen Freitag, den 23. September, geht es weiter. Einen Überblick über die Spielzeit 2011/12 des Keller Theatre gibt es unter: Keller Theatre Spielplan ist auch etwas für Non-Anglophile.

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