Stadttheater Gießen kraftvoll in die Spielzeit gestartet. Ein Fest für alle Sinne.

22. August 2011 | Von | Kategorie: Konzerte, Kunst, Theater

Slideshow

Perspektivenwechsel

Mehr Theater geht kaum. Das Stadttheater Gießen präsentierte zum Saisonauftakt sich selbst am alljährlichen Tag der offenen Tür. Unter dem Motto „GERADEaus in die neue Spielzeit“ wurden am vergangenen Sonntag (21. August) nicht nur Werkstatt- und Bürotüren weit geöffnet, sondern ein ganztägiges Programm gab einen Vorgeschmack auf die Spielzeit 2011/12 . Daneben gab es die übliche Theaterralley, den Kostümflohmarkt und die Technikshow auf der Bühne. Erstmalig gab es eine Diskussionsrunde, in der die neuen Ensemblemitglieder vorgestellt wurden und eine Ausstellung von Bühnentechnikmodellen mit dem Titel „Wie am Schnürchen“, an denen Bühnenmeister Ingo Blaschke die technischen Anlagen des Großen Hauses erklärte. Außerdem hatte die Musikschule Gießen für Kinder einen Klangparcours vorbereitet. Der 10. Tag der offenen Tür war wieder einmal ein Fest für alle Sinne – auch wenn wetterbedingt die Freiluft-Veranstaltungen ins Thatergebäude verlegt werden mussten.

Nach dem musikalischen Auftakt durch das Philharmonische Orchester, der mit der Ouvertüre von Rossinis „Wilhelm Tell“ endete, betonte eine gutgelaunte Intendantin Cathérine Miville in ihrem Grußwort, dass es erneut ein „Gießener Spielplan“ sei, für den alle Ensemble werben wollen. Zudem ermunterte sie das Publikum, sich neugierig auch in die „entlegenen Winkel“ des Theaters zu begeben, um „ihr Stadttheater“ richtig kennen zu lernen. Außerdem freute sie sich, dass durch das parallel stattfindende Stadtfest, es möglich sei, ganz unaufdringlich mit Publikumskreisen in Beziehung zu treten, die bisher eher theaterfern wären.

Spielplanpräsentation im Gleichschritt: Das Schauspielensemble

Anschließend präsentierte Musikdramaturg Christian Steinbock bekannt lässig und in wissensreicher Kürze den Spielplan des Musiktheaters der Spielzeit, die mit „Gerade“ überschrieben ist. Zum Pflichttermin aller Kunst- und Kulturfreunde wird die Eröffnungspremiere „La Boheme“ von Opernzar Puccini am 3. September 2011. Weiterhin im Programm ist die in der vergangenen Saison siebenmal restlos ausverkaufte „Hochzeit des Figaro“. Aufsehenerregen wird sicher auch die Oper „Alessandro Stradella“ von Friedrich von Flotow, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird. Mit ihr wird eine hochromantische Oper auf die Bühne gebracht, die ohne Zweifel auch überregional Aufmerksamkeit finden kann. Die Premiere ist für den 28. Januar 2012 geplant. Als letzte Musiktheater-Produktion wird ab 12. Mai 2012 „Lulu“ von Alban Berg uraufgeführt. Eine mutige Vielfalt also.

Nicht minder vielfältig war es auch ab 12 Uhr im Theater-Foyer. Das dort stattfindende, halbstündig wechselnde Programm reichte von Salonmusik über die One-Man-Show von Schauspieler Rainer Hustedt mit seinem „Masochisten-Tango“ bis zu dem Gesangsquartett der „Schmachtigallen“.

Shopping im Hinterhof: Kostümflohmarkt

In einer 20-minütigen Spielplanrevue brachte das Schauspielensemble alle Stücke der Spielzeit im Blitztempo hintereinander auf die Bühne. Ambitioniertes Gegenwartstheater hat der Schauspieldramaturg Matthias Schubert für 11/12 zusammengestellt. Abgesehen von „Arsen und Spitzenhäubchen“ wird wohl das gefälligste „Prinz Friedrich von Homburg“ von Kleist sein. Mit „Die fetten Jahre sind vorbei“, „Hysterikon“ und Ibsens „Volksfeind“ sind vor allem Stücke darunter, die aufwühlend unser Selbstverständnis destruieren. Auf der Studiobühne (TiL) bleiben mit „The Kraut“ und „Die Wanze“ Publikumsmagneten im Programm. Und im Kinder- und Jugendtheater wird es fünf Neuproduktionen für unterschiedliche Altersgruppen geben. Freuen darf man sich auch, auf insgesamt vier Tanzchoreographien der Tanzcompagnie Gießen. Los geht es am 8. Oktober 2011 mit dem Stück von Tanzdirektor Tarek Assam „Galileo meets Kopernikus“.

Zum großen Finale des Tages gab es traditionell das Abschlußkonzert mit dem Philharmonischen Orchester und dem Jugend-Orchester der Musikschulen Butzbach und Gießen. Beim Dirigier-Wettbewerb konnten zwei Laien den Taktstock für Brahms „Ungarischer Tanz“ schwingen. Ganz zum Schluss, war dann wieder die Zeit gekommen, um mit Martin Gärtner ein gemeinsames Lied einzustudieren, dass vom Publikum mit Begeisterung mitgesungen und von Orchester pflichtbewusst begleitet wurde.

Allseits glückliche Gesichter waren zu sehen, als das Stadttheater Gießen kurz nach 17 Uhr seine Pforten wieder schloss.

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