Doppel-Ausstellung mit Klaus Hack und Annette Schröter im Marburger Kunstverein
23. August 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: KunstMARBURG. Filigrane Papierschnitte treffen auf archaische Holzskulpturen: Mit den imposanten Skulpturen Klaus Hack und den pechschwarzen, übergroßen Papierschnitten der Leipzigerin Annette Schröter geht der Marburger Kunstverein in den Herbst.
Dabei regiert ganz offensichtlich das Monumentale, Surreale, vielleicht das Erschreckende: Hacks Arbeiten aus Pappel- oder Lindenholz, seine dem Triptychon verwandten „Kleidaltare“, seine „Wächterin“, sein „Sonnenstuhl“ oder seine „Tränensammlerin“ wirken ebenso archaisch wie futuristisch, scheinen halb Mensch, halb Tier zu sein. „Man könnte diese Wesen als Wächterfiguren beschreiben, wozu auch ihre Größe beiträgt. Nicht Aktivität und Mobilität, sondern allein Präsenz, pure Existenz, kraftvolle, zeitlose Würde, ist ihnen eigen“, schreibt der Kunsthistoriker Thomas Brand darüber. Susanne Paesel vom Marburger Kunstverein spricht von einer „Ambivalenz zwischen Figürlichkeit und Abstraktion“, die die Holzskulpturen aus Pappel-, Ahorn-, Kastanien- oder Lindenstämmen des vielfach ausgezeichneten Bildhauers Hack (1966 in Bayreuth geboren) bestimmen.
Daneben wirken die überdimensionalen Papierschnittarbeiten von Annette Schröter (* 1956 in Meißen) wie das einzig richtige Pendant. Die vom filigranen, biedermeierlichen Scherenschnitt herkommende zeitgenössische Form der „geschnittenen Bilder“ entfernt Schröter inhaltlich und formal weit von den tradierten Wurzeln. Markenzeichen, Graffiti und arabische Schrift treffen mit Silhouetten deutscher Tracht, natürlichem, Wildwuchs, Gartenzwergen oder Gründerzeitarchitektur zusammen. Verbindendes Element aller ihrer Arbeiten ist zunächst einmal die Faszination für das Lineare und Ornamentale. Manches hängt hinter Plexiglas und verleiht dem Pechschwarz dank einem gelben Hintergrund enorme Leuchtkraft. Mit ihren Motiven verweist sie auf Bildgut, mit dem sie sozialisiert wurde. So vergegenwärtigt Schröter auf subtile Weise Vergangenes neu. Ein „Teppich“ aus zig DDR-Serviertabletts wird außerdem zur Bodenskulptur gemacht. Schröter betreibt gerade so äußerst akribisch, eine poetische Form der Erinnerung, die immer auch biografisch begründet ist.
* Noch bis 7. Oktober, Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.
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