Christian Fries liest beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt
24. Juni 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: LiteraturGIESSEN/KLAGENFURT. „So langsam macht sich schon Nervosität breit“, sagt Christian Fries über seinen Gemütszustand am Ende unseres Gesprächs. Denn es dauert nicht mehr lange bis zum Beginn des „Wettlesens“ beim 34. Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, dem nach wie vor bedeutendsten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Der Schauspieler, Musiker und Autor wird einer der 14 Teilnehmer sein.
„Geschrieben habe ich eigentlich schon immer“, erklärt Fries lakonisch. Dabei ist das längst nicht seine einzige künstlerische Profession. Der 50-Jährige ist studierter Pianist und Schauspieler, derzeit engagiert am Gießener Stadttheater, wo auch diverse Regiearbeiten vorgelegt hat. „Theater ist, wie der Geheimrat Goethe sagt, eine Kunst, die ins Wasser schreibt. Was auf Papier geschrieben steht, bleibt“, stellt Fries bei Bereich gegenüber.
Im Februar kam sein erstes Buch auf den Markt. „Vater gibt seinen Weinhandel auf“heißt es und vereint Kurzprosa und Dramenfragmente. Nach Klagenfurt hat ihn nun einer der sieben Juroren, der Kulturjournalist Paul Jandl („Neue Zürcher Zeitung) eingeladen.
Über den Text darf Fries im Vorfeld kein Wort verlieren, das verbietet die Satzung des Wettbewerbs. Wann genau er am 24., 25. oder 26. Juni lesen wird, ist selbst für ihn noch geheim. Das wird erst kurz zuvor, am Mittwoch, 23. Juni, auf der Internetseite des Wettbewerb bekannt geben.
Fries, der von der Gießener Bühne aufgrund einer Bandscheibenoperation derzeit beurlaubt ist, erhofft sich vom Wettbewerb am Wörthersee vor allem Kontakte im Literatur- und Verlagsbetrieb, um sein nächstes Buch veröffentlichen lassen zu können. Denn soviel kann er dann doch verraten: Der Text, den er lesen wird, stammt aus einem jüngst vollendeten Roman. Oder einer Art Roman. Denn Fries interessieren viel mehr fragmentarische, experimentelle Formen als geschlossene Erzählungen.
Der gebürtige Duisburger hat vielleicht keine direkten Vorbilder, aber Franz Kafka, Daniil Charms und Rainald Goetz fallen ihm dann doch ein. Auf die Frage, welche Bedingungen er denn brauche, um zum Schreiben zu finden, meint er: „Probenfrei morgens, das ist am besten. Im Großen gilt: Lebenswendungen drücken mir den Stift in die Hand. Aber im Grunde braucht es keine besonderen Bedingungen. Ich schreibe, seitdem ich ‘Ich’ zu mir sage. Ist wie Atmen.“.
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