Florian Thomis „Studium Deluxe“ feiert im Kino Traumstern Premiere

2. Juni 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Allgemein

LICH. Sie sind die Hinterhöfe des deutschen Fernsehens: Tele-Shopping-Kanäle, die neben fragwürdigen astrologischen Dienstleistungen und Glückspielereien auch allerlei greifbare Warensortimente im Angebot haben. Der Gießener Soziologiestudent Florian Thomi kam schon 2006, als die Proteste gegen hessische Studiengebühren gerade ihren Höhepunkt erlebten, auf die Idee, diese rein kommerziell ausgerichtete Medienwelt, in der es nicht mal mehr nur um Quote, sondern rein um Absatz geht, einfach als Aufhänger für einen Kurzfilm über karriere- und profitorientiertes Denken gegenüber Studium und Universität zu nehmen. Herausgekommen ist mit „Studium Deluxe“ eine schrille, 23-minütige Bildungs-Satire, die gerade im Angesicht des frisch geschlossenen Hochschulpaktes aktueller nicht sein könnte. Trotz später Stunde und gerade vom Platz schleichenden Bayern, sorgte die Premiere trotz später Stunde am Samstagabend für volles Haus im Kino Traumstern.

Im Prinzip kein Wunder, bei über 200 Mitwirkenden, vor und vor allem hinter wie neben der Kamera. Thomi selbst, der den Hochschulpakt als „Studiengebühren durch die Hintertür“ betrachtet, kommt erst auf die letzte Minute zur Premiere, da haben die Bayern schon ihr 0:2 eingefahren und das Licher Publikum vor der Außenleinwand des Traumsterns ist sich des Ausgangs gewiss. Der 28-jährige Regisseur, der sein Soziologiestudium an der JLU gerade abgeschlossen hat, hat derweil am heimischen Rechner noch so genannte „Outtakes“ geschnitten, missglückte Szenen, die nach der Premiere, sehr zur Freude des Zwerchfells, noch gezeigt werden.

Thomis „Studium Deluxe“, bei gerade mal 5000 Euro Produktionskosten hauptsächlich an Gießener Drehorten und im Studio des Offenen Kanals entstanden, entführt den Zuschauer in „Bob’s Shop“. Darin preist der kaufmännische Moderator Bob, gespielt von Synchronsprecher und Schauspieler Armin Hauser, ein einmaliges Produkt an: das Paket „Studium Deluxe“, das indirekt zu einem ganzen Koffer voller Geld, direkt zu erfolgreichem Studium, Schönheit und Berühmtheit verleiten soll. Lautstark jebbelt seine knallblonde  Assistentin Nancy, die Schauspielerin Susanne Metzner äußerst angemessen als überdrehtes Dummchen gibt, zigfach dazwischen: „Da muss doch einfach jeder studieren“. Den Musterstudenten mit Zigarre, Golfausrüstung und Chirurgen-Gutschein gibt der Gießener Lehramtsstudent Steffen Margard.

Und natürlich kein Angebot in „Bob’s Shop“ ohne kleine Geschenke: Wo der 500-Euro-Preis eigentlich schon bildungspolitische Anspielung genug ist, soll der potentielle Deluxe-Student auch noch Bier und Zigaretten gratis bekommen, von denen Minister a. D. Udo Cords 2006 meinte, sie könnten von den Studierenden zum Aufbringen der Gebühren doch einfach eingespart werden.

Und natürlich kann „Bob’s Shop“ auch mit erfolgreichen Absolventen aufwarten. Über 80 prominente Künstler haben Regisseur Thomi und sein Team seiner Zeit angeschrieben, bei acht hat es dann geklappt, sie vor die „Studium Deluxe“-Kamera zu bewegen. Markus Maria Profitlich hat es dank „Studium Deluxe“ zur Wohnung im umgebauten Pferdeanhänger gebracht, „Badesalz“ wissen gar nicht mehr so ganz genau, wie viele Häuser und Sportwagen jetzt eigentlich vorhanden sind, Schauspielerin Bettina Zimmermann weiß auch nur Gutes über das Wahnsinnsangebot zu berichten und auch bei Rainald Grebe heißt es: Daumen hoch. „Früher war ich klein, hässlich, erfolglos und übergewichtig – und heute?“, witzelt Oliver Kalkofe und erklärt, dass er sich dank „Studium Deluxe“ schnell sogar Leute leisten konnte, die für ihn mal eine Vorlesung geschwänzt haben. Die Promi-Aufnahmen, die dem Film eine äußerst originelle zweite Ebene verliehen, führten Thomi und sein Team dabei durch ganz Deutschland.

Das Premierenpublikum zeigte sich im gut gefüllten Traumstern ziemlich amüsiert. Im anschließenden Publikumsgespräch erklärten vor allem Hauser und Metzner ihre Bewunderung für das enorme Engagement der studentischen Mannschaft.

Thomi hat den Film bereits bei 100 Kurzfilm-Festivals eingereicht. Das von den Darstellern bis zu Schnitt und Ton hervorragend und absolut professionell daherkommende Werk hat auf jeden Fall ein noch größeres Publikum verdient. In Gießen wird der Kurzfilm Ende Juni beim AstA-Sommer-Festival zu sehen sein.

verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar