Trevor Paglen mit „Compendium Of Secrets“ in der Kunsthalle

30. Mai 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Aufmacher
Eines von mehreren Bildern eines optischen Aufklärungssateliten. Dieses trägt den Titel „Key-Hole 12-3, (Improved Crystal) Near Scorpio (USA 129)“.                                                                                 Bilder: ROstoff

GIESSEN. Es liegt in der Natur der Konzeptkunst, dass die Idee oft vor den ästhetischen Reiz tritt, ihn vielleicht sogar ganz ausmerzt. Bei Trevor Paglens Fotoarbeiten, die als „Compendium Of Secrets“ noch bis August in der Kunsthalle zu sehen sind, scheint dieser Widerspruch teilwiese noch gelöst.  Paglens  Spionagebilder, die zu Lande, zu Wasser oder in der Luft alle irgendwie mit geheimen Machenschaften des amerikanischen Militärs zu tun haben, lassen möglicherweise brisante Bildinformationen wieder zu ansehnlichen Oberflächenabbildungen verschwimmen. Manchmal sieht das trotz aller möglicher Sateliten aber auch nur so aus wie eine astronomische Fotografie des Sternenhimmels oder des Mondes oder gleich die Weichzeichnung davon. Oder schlichtweg ein Standbild aus „Akte X“. Gewürzt ist die Austellung in jedem Fall mit einer ordentlichen Prise von Verschwörungstheorie.

Ellenlange Erklärungen zu Werkserien wie „The Other Night Sky“ mit Titeln wie hat der studierte Geograf Paglen dazu erstellt. Und natürlich hat Kuratorin Ute Riese nicht Unrecht, dass die geheimdienstliche Bildarbeit Paglens schon etwas mit der einstigen Stadtgeschichte Gießens und den hier stationierten Amerikanern korrespondieren könnte.

Die Zeitungen widmen sich dem Ganzen ziemlich ausführlich: Der Gießener Anzeiger schreibt von „Nichtansichten und anderen Geheimnissen“ und fasst erstmal Paglens Biografie zusammen und bringt einige interessante Zitate von der Pressekonferenz, etwa dass Paglen Forschungsergebnisse ebenso künstlerisch wie allgemein begreift. Die Gießener Allgemeine hingegen geht auf die Ambivalenz von Evidenz und Abstraktion bei Paglens Werken ein. Die Vernissage am Sonntagmorgen war in jedem Fall auch gut besucht, auch weil Paglen selbst noch einen Vortrag zu seiner Arbeit hielt. Der Katalog erscheint in Kürze und wird erstmalig auf der Art Basel gezeigt.

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