Doppelausstellung „Herzkammer“ mit Werken Gustav Kluges und Hermann Webers in der Galerie Schmalfuß
26. Mai 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Allgemein
MARBURG. Nach unzähligen Einzel- und Doppelausstellungen ist für den renommierten Maler und Professor Gustav Kluge (*1947) die erste Doppel-Ausstellung, die der gebürtige Wittenberger zusammen mit Hermann Weber unter dem Titel „Herzkammer“ in der Galerie Schmalfuß bestreitet. Im Vorder- wie Zwischenraum der Galerie hängen ausgewählte Gemälde Kluges, Aquarell auf Bütten allesamt.
„Show me the way to the next paradise“ hat Kluge den Hingucker des Vorderraums betitelt, als Anspielung auf Bertolt Brecht „Whiskey-Bar“-Song auf der Oper „Mahagony“. Eine mysteriös verschwommene Gestalt, scheinbar hockend, schaut dem Betrachten darauf aus Wirbeln von gedämpften Farben entgegen wie aus einem bedrohlichen Nirwana. Gegenüber hängt eine betende „Salzburgergmutter“, die so urtümlich und gleichzeitig entrückt dargestellt ist, dass sie einen sofort in Bann schlägt. Kluges Bilder thematisieren Verdrängtes und Schattenseiten des Lebens. Durch Überlagerungen der Bildschichten und einen pastose Auftrag der Farbe erhalten die Bilder Kluges, der an der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Karlsruhe doziert, an der regelrecht reliefhafte Malschichten.
Hermann Weber schließt da mit seinem Oeuvre atmosphärisch an. Webers Architektur-Darstellungen, ob als Bronze oder Gemälde, feiern das Anthrazit. Dunkel und monumental wirken Webers „Black Houses“ wie seine „Häuser und Menschen“ und verschiedene verschleierte Ikonen.
Im oberen Raum der Galerie stellt Weber eines seiner Gemälde aus der Serie „Die Farbe Rot“ einer „Herz“-Bronze Kluges gegenüber. Webers Gemälde zeigt eine Figur im Schneideresitz, die mit einem geradezu purpur wirkenden Gewand bekleidet , oder besser behangen ist. Die Dominanz der Gemäldefarbe korrespondiert hervorragend mit der organischen Bronze.
In einer flammenden Rede erinnerte Hermann Weber zu Beginn der Vernissage daran, wie Künstler in der Gesellschaft instrumentalisiert werden können und plädierte dennoch für die Sprache der Kunst und forderte die gut 50 Vernissage-Besucher auf: „Hinschauen, hinhören, in die Kammer des Herzens“.
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