Tommy Tesfu gewinnt Poetry Slam im Jokus – Tabea Reinelt und Martin Siebert teilen sich zweiten Platz

1. Mai 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Literatur

GIESSEN. Wieder einmal rappelvoll war das Jokus am Dienstagabend, da Lars Ruppel und Stefan Doersing zum Poetry Slam luden. Die beiden Slam-Moderatoren konnten sich vor knapp 200 Zuschauern natürlich auf ihre engagierten Kollegen der Slam-Szene verlassen, so dass mit Tabea Reinelt, Christian Offe, Nico Förster, Tobi Heyel, „Jana Klar“, Martin Siebert und „Laura“ sieben glorreiche Dichter in die Schlacht zogen. Bewertet wurde in den Vorrunden wie gewohnt durch eine handvoll Punktetafeln, die Ruppel und Doersing im Publikum verteilten.

Musikalisch umrahmten „Option Eichhorn“ aus Marburg den Slam. Allerdings nur in Zweierbesetzung, mit Sänger Tobias Eichhorn an der Gitarre und Martin Meckbach als zweite Stimme am Piano. Allein das hervorragend eingespielte Duo, das so lakonisch und wunderbar von „Augenblicken mit Dir“, einer „neuen Eigentlichkeit“ oder der sexuell unentschiedenen „Tina“ („Lieber bi als nie“) sang, war den Besuch im Jokus schon mehr als wert.

Der Dichterwettstreit begann dann gleich mit dem Gewinnner. Aber wer konnte das um kurz nach neun schon wissen. Der einzigartige Marburger Wort-, Klang- und Rhythmuskünstler Tommy Tesfu eroberte schon mit seiner ersten Nummer die Zuschauerohren und -herzen. In einem wahnwitzigen Stegreif-Monolog attackierte der gebürtige Dortmunder mit nordost-afrikanischen Wurzeln  Kennenlern-Blabla und Oberflächlichkeit, hinterfragt Rollenklischees und würde am liebsten alle „Glasfaservokabeln kappen“. Frei nach Shakespeare resümiert Tesfu: „Die Welt ist eine Bühne, nur das Stück ist schlecht besetzt“. Das Publikum feiert ihn frenetisch.

Martin Siebert nimmt ein Familientreffen als Ausgangsmaterial für einen absurde Dialoge durch alle Generationen und Tabea Reinelt fragt in ihrem Beitrag verwundert, warum sich Liebe bloß auf Triebe reimen muss. Nach einer kleinen Pauseneinlage, bei der Lars Ruppel mit Gastkünstler Bo Wimmer sehr amüsant das chorische Sprechen zelebrierte, ging es für Tesfu, Siebert und Reinelt schließlich in die Finalrunde, deren Sieger am Ende nur durch die Lautstärke des Applauses bestimmt wurde.

Martin Siebert präsentierte einen äußerst gelungenen Abgesang auf Finanz- und Wirtschaftskrise, worin „Abmahnungen statt Liebesbriefe“ kursieren und fusioniert wird, statt eine Beziehung einzugehen. Tabea Reinelt ließ noch einmal den von Fieber und Grippe untermalten Horror ihrer Abitursprüfung in Geschichte aufleben. Und Tesfu ließ ein „Gedicht ein Sandwich schmieren“, wobei jede Menge Anklagen gegen falsche globale Betroffenheit und generelle Kriegstreiberei zu Gehör kam. Am Ende heimst Tesfu deutlich den Sieg, wofür es Sekt und Torte gab. Letztere landete dann irgendwie noch im Gesicht von Moderator Ruppel. Den zweiten Platz teilten sich Siebert und Reinelt.

verwandte Artikel

Tags: , , , , , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Lieber Rüdiger,
    können wir vielleicht noch das Foto von der Band bekommen? Wir machen gerade eine Demo auf CD und hätten es gerne zur Gestaltung. VG, Tobias

Schreibe einen Kommentar