Armin Hartenstein zeigt „Mes amis de Emmanuel Bove“ im Neuen Kunstverein

29. April 2010 | Von | Kategorie: Kunst

GIESSEN. Miniaturwelten faszinieren, weil sie das menschliche Gefühl für Raum und Größenordnung verschieben. So auch im Falle von Armin Hartensteins pittoresquen Landschaftsformaten, die unter dem Titel „Mes Amis de Emmanuel Bove“ noch bis zum 5. Juni im Neuen Kunstverein zu sehen sind. Der kleinste Kunstverein der Republik hat so quasi erstmalig Exponate erhalten, die seinem Volumen entsprechen. In jedem Fall eine originelle Auseinadersetzung mit der Sondersituation des Raumes.

Armin Hartenstein mit Sohn Bill vorm Kiosk-Gebäude des Neuen Kunstvereins.             Bilder: ROstoff

Hartensteins handliche Mini-Gebirgsketten, Vulkanfelder und Landschaftsfantasien entstehen aus und auf Wegwerfmaterialien. Sie sind „Landschaften, durch die man mit den Augen spazieren kann und in denen man sich wundert, welche Bedeutung der Abrieb von Papieren, die Reste von Klebstoff oder die Krusten von Farben haben können. Kleine Erhebungen, die man auf einem Briefpapier als unschönen Fleck empfinden würde, die hier aber kleine Klippen sind, von denen aus man schauen kann“, wie Markus Lepper bei der Vernissage erklärte.

Hartenstein hat gleich auch in die Architektur des Kiosks eingegriffen, ein Fenster vernagelt, den Titel der Ausstellung auf draufgeschrieben und innen die Wand gestrichen. Lepper sah dann neben dem „Mes amis-Charakter“ der kleinformatigen Arbeiten, den Bezug zu Emmanule Bove, dem literarischen Schöpfer trauriger Gestalten, vor allem über Boves Oberflächenbeschreibungen herausgestellt, die Bove zum Vorreiter des Nouveau Roman machten. Aber auch Boves Beschäftigung mit George Braque, der im Kontext kubistischer Zirkel die Collage in seinem Werk etablierte, ist ein Anknüpfungspunkt an Bove. Lepper bezog sich dabei auf einen 1930 in einer Zeitschrift veröffentlichten Text, wo Bove über Braque schreibt: „Wie alle Künste existiert auch die Malerei nur dank der Künstler, und es wäre sinnlos, sie anders als über eine Analyse ihrer Werke definieren zu wollen. Braque verfügt sicher über echte Fähigkeiten, aber er bildet sich nichts darauf ein. Wie alle großen Künstler ist er eher darauf aus, sein Ziel zu erreichen, als eine Leinwand vollzubekommen.“ Merkwürdig ist es da schon, dass Heiner Schultz im Gießener Anzeiger  sein Unverständnis über die Zusammenhänge äußert. Dagamr Klein hat dafür in der Gießener Allgemeinen (leider nur im Print) verdeutlicht, dass es „das Prinzip der Montage“ sei, was Hartenstein Kunst und Boves Literatur verbinde.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni samstags zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen sowie nach Vereinbarung.

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