Gerda König zeigt mit der „DIN A 13 tanzcompany“ ihre Choreographie „in_FOCUS_out“ in der Waggonhalle
22. April 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Theater
MARBURG. „Don’t watch me – Sieh mich nicht an!“ brüllt Tänzerin Vinnie Straniero durch den mit weißem Tanzboden ausgelegten Theatersaal der Waggonhalle. Eine mit Luftschlägen und Tritten unterstrichene Anklage an ihre Mittänzer Ruben Renier und Elvira Wuttke, an das Publikum, an die ganze Welt.
Der Grund ihre Brüllens ist der voyeuristische wie bemitleidende Blick, den vielleicht jeder schon gehabt hat, wenn ihm im Alltag ein Mensch mit körperlicher Behinderung begegnet. Choreographin Gerda König thematisiert mit ihrem neuesten Stück „in_FOCUS_out“ diese Blicke, dadurch evozierte Gefühle bei den Betroffenen, thematisiert das nur oberflächliche Anderssein, die Wut und die Verzweiflung dahinter.
Zu Anfang rollen die drei Tänzer der DIN A 13 tanzcompany im Halbdunkel in den Raum. Wie ein menschliches Knäuel entwirren sie sich langsam, als Sinnbild für die Gleichheit ihrer Körper. Erst nach mehreren Minuten realisiert der Zuschauer, dass Elvira Wuttke den Tanzabend fast vollständig im Rollstuhl bestreitet.
Im Hintergrund sind zwei Videoleinwände aufgebaut. Gruppen- wie Einzelszenen entstehen, ohne dass einer der drei die Bühne verlässt. Die Tänzer filmen sich gegenseitig. Ihr realer Körper wird Teil einer eindrucksvollen Hintergrund-Projektion. Zeitraffer und Bildeffekte spiegeln und ergänzen das Bühnengeschehen. Bewegungsabläufe frieren kurzzeitig zu Standbildern ein. Jürgen Salzmanns Videokunst und Gerd Weidigs Lichtdesign schaffen dabei eine angenehme Schwarzweiß-Ästhetik. Die sphärische Musik von Markus Aust ergänzt Königs Choreographie zu einem kleinen Gesamtkunstwerk, das an zwei Abenden in der Waggonhalle zu sehen war.
So entsteht ein theatrales Panorama, das die scheinbare Harmonie in unserem Umgang behinderten Menschen, die angebliche Normalität unserer Begegnungen aufbricht. Sehen und (so) nicht gesehen wollen – darum geht es in Königs Choreographie. Mensch und nicht Objekt der Betrachtung sein – dieses Anliegen kann gerade der Tanz wunderbar transportieren. Und er tut es hier sehr gut.
Perspektiven verschieben und eröffnen sich. Mal verwirrend, mal äußerst berührend ist Gerda König mit „in_FOCUS_out“ ein starkes tänzerisches Plädoyer für ein demokratisches Miteinander der Körper und Menschen gelungen.








hallo gerda koenig,
ich habe heute hier in quito, ecuador, innerhalb des eurocine filmfestival den film, der andere koerper gesehen. ht mir sehr gefallen, mich tief beruehrt.
ich liebe bewegung, ausdruck, tanz
bin immer noch auf der suche, wie andere menschen mitzubegeistern.
hast du schon von maria fux in buenos aires gehoert ?
vielen dank, dass du dich zeigst und so spannendes machst, herzlich heidi