Daniel Horvat zeigt in der Atelier-Galerie Trafo Gemälde aus den letzten zwei Jahren

20. April 2010 | Von | Kategorie: Aufmacher, Kunst

GIESSEN. Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre, oder auch Jahrzehnte, bis man allgemein aufhört, Malerei in die Opposition von Abstraktion und Gegenständlichkeit aufzuteilen. Und vielleicht noch länger, bis die Erwartungshaltung kippt, ein Maler hätte sich dann auch bitte an die eine oder andere Richtung zu halten. Auch wenn Maler wie Gerhard Richter solche Genregrenzen längst verwischt hat.

Daniel Horvat kennt diese Grenzen genau und geht sie souverän ab. 2007 stellt er in einer Gießener Praxis mit „Gesund durch den Urlaub“ figürliche Bilder aus, die durchaus an den grau-grauen Fotorealismus Gerhard Richters  erinnerten. Nun, mit „„Fäschtmeenjäk“, was auf ungarisch soviel wie Malerei oder Gemälde bedeutet, zeigt Horvat in der Atelier-Galerie Trafo in der Ederstraße Bilder, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Und wiederum an Richter erinnern. Ohne Titel sind die 20 Werke auf Leinwand, denn Namen bekommen bei Horvat prinzipiell nur Papierarbeiten.

Betritt man bei den hohen Ausstellungsraum neben der ehemaligen neuapostolischen Kirche, stößt man sofort auf drei großformatige Arbeiten, die an Richters Rakel- und Schlierenbilder Richters erinnern, bei deren Entstehungsprozess der Spachtel wichtiger ist als der Pinsel.

So auch bei Horvat: Im linken Bild scheint eine Art Lichtung hinter Lianen von zerkratzten Farbbahnen zu liegen. Im mittleren Bild hingegen funkeln kleine Rechtecke in einem Gitterchaos aus schwarz und weiß. Eine Machart, für die sich der 39-Jährige bei dem abstrakten Expressionisten Hans Hofmann (1880 bis 1966) inspirieren ließ. Vielleicht mischen sich Richter und Hofmann in dem Werk geradezu.

Markus Lepper vom Neuen Kunstverein sprach in seiner Einführung von „experimentellen Farbunternehmungen“, die die Möglichkeiten von Farbe, Auftrag und Grund vorführten. Das wird besonders in der 13-teiligen Serie von Miniaturformaten an der linken Wand deutlich, wo sich monochrome Formate mit Flaggen, und Flaggen mit skurrilen Farbverläufen abwechseln. Musikalische untermalt wurde die mit 50 Gästen gut besuchte Vernissage von DJ „Mädjik Marcel“.

Horvat, der an der Liebig-Universität Philosophie, Psychologie und Kunstpädagogik studiert hat, ist jedoch nicht ausschließlich auf die moderne Gegenwart fixiert. Für den jungen Gießener Maler mit deutsch-ungarisch-serbischen Wurzeln ist der Blick in die Kunstgeschichte eine nie versiegende Inspirationsquelle. Mit Farbe umgehen und handeln ist für ihn in zentraler Punkt in der Arbeit und Auseinandersetzung. Ebenso die alten wie neuen Fragen, was Malerei ist, was ein Bild und wie es schließlich wahrgenommen wird.

Noch bis zum 25. April. Öffnungszeiten: montags und donnerstags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr sowie 20 bis 22 Uhr, dienstags und mittwochs von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter 0641-250 30 77 oder horvatdaniel@web.de.

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