Bruno W. Reimann zeigt Gemälde und Digitalrucke in der Volksbankfiliale Goethestraße
12. April 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: LebensstileGIESSEN. „Roll over Kunst“ hat der Soziologe Bruno W. Reimann seine Ausstellung im Foyer der Volksbank-Filiale in der Goethestraße genannt. Wie es zu dem Titel kam, wurde bei der Vernissage am Donnerstagnachmittag schnell klar, als Reimann nach einer kurzen Begrüßung durch Filialleiter Henrich Dörmer Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“ vom Band spielte.
Reimann wollte das im Sinne von Berrys propagiertem Generationenwechsel, von einer angeblich hermetisch abgeschlossenen Welt der Hochkultur hin zur leichten Kultur des Rock ’n’ Roll, verstanden wissen. Darauf aufbauend brachte er sogleich sein „Unbehagen mit einigen Aspekten des offiziellen Kunstbetriebs“ zum Ausdruck, donnerte gegen die Gegebenheiten des Kunstmarktes und „die Vorherrschaft der Kunstexperten“, die „für den kunsthistorisch vorgetragenen Tiefsinn zuständig sind, der alles umwebt, was einmal von den großen gesellschaftlichen Maschinen der Bedeutungszuweisung nach oben geschoben wurde“.
Und als ob soviel pauschale Urteile nicht schon genug wären, wetterte der am Soziologie-Institut der JLU tätige Professor auch noch gegen die lokalen Gegebenheiten und sprach von „philisterhaften Kunstvereinen“, wo „die Kunst nach höchst willkürlichen Kriterien verwaltet“ werde. Nun denn, fast hätte man dabei Reimanns Werke um einen herum vergessen.
Der Soziologe will mit dem Ausstellungstitel auf Bewegung, ein Absetzen von festgefahrenen Konventionen heraus, auch wenn man nicht so genau weiß, welche Konventionen da gemeint sein könnten. Vergessen wir mal nicht, dass der Kunstbetrieb mit unterschiedlichsten Stilen, „jüngst“ integrierten Formaten wie Video, Installation und Fotografie sowie mit der Öffnung in alle Erdteile und Ästhetiken im Jahr 2010 alles andere als festgefahren ist.
So wären Reimanns archaisch-abstrakte Flächengebilde wie „Aus dem Raum kommend“, „Vesuvio“, „Fusion“ oder „Monotaurus“ oder eine „Galaktische Einmischung“ um 1800 doch von keinem noch so aufgeschlossenen Mäzen ausgestellt worden. Damals hatte man bekanntlich noch gegenständlich zu malen und sich an Genres wie Landschaft, Stillleben oder Historiengemälde zu halten. Und für farbintensive Digitaldrucke wie Reimanns „Soleil Soleil“ musste auch erstmal ein Nährboden an modernen Vorreitern her.
Der Soziologe plädiert für ein „Anything goes“, schießt aber gleichzeitig gegen einen ominösen „Schlammhaufen“, den er einmal vor der Frankfurter Kunsthalle Schirn gesehen haben will, gegen konzeptionell Kunst also. Das ist unfair, unsachlich und argumentativ wirr. Sicher klingt ein Plädoyer wie Reimanns „Mehr sehen, weniger interpretieren“ irgendwie gut, applaudiert wird da sofort. Genau genommen ist es aber Blödsinn, denn beides geht Hand in Hand. Und der wahre Kunstfreund sucht am Ort der Kunst ja genau dieses Zusammenspiel im Erlebnis der Betrachtung. Dass Kunsthistoriker, Kuratoren und Kritiker daraus eine Profession gemacht haben, liegt in der Natur der Sache. Nur gut, dass kein entsprechender universitärer Kollege Reimanns bei der Vernissage zugegen war.
Zu sehen während der der regulären Öffnungszeiten der Volksbank-Filiale
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