Galerie Schmalfuß zeigt Gemälde von Roland Deleau und Stefan Hoenerloh
29. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Kunst
Vier Einzelausstellungen hat Michael Schmalfuß in seiner Galerie bereits mit dem Berliner Maler Roland Deleau (* 1955) realisiert. Drei waren es schon mit Stefan Hoenerloh, der, irgendwann in den 60er Jahren geboren, sein Berliner Atelier seit 2000 in einer Weberei-Villa auf der Halbinsel Stralau eingerichtet hat. Zwei Stammkünstler also, die Schmalfuß nun für eine Doppelausstellung unter dem Motto „Saturday Night“ zusammengebracht hat. Ein eher lapidarer Titel, der allein auf die Vernissage zurückgeht, die erstmalig am Samstagabend stattfand
MARBURG. Auf der einen Seite der Baselitz- und Lüpertz-Schüler Deleau, dessen farbintensive Landschafts- und Stadtdarstellungen wie ein totaler Gegenentwurf zur ästhetischen Feier des Grau bei Hoenerloh wirken. Deleaus Landschaften „Am Teich“ oder „Büchsenlicht“ sind ebenso neo-impressionistisch wie surreal. Bei Deleaus „Ur-Wald“ von 2000 gewinnt man den Eindruck, das Motiv schäle sich so ganz nebenbei aus einem Chaos von Linien, Schleifen und Farbflächen. Regelrecht dazwischen hängt eine „Akte Guantanamo“, worauf ein gläsern anmutender, auf der Chaiselounge sitzender Barack Obama entsprechende Papiere durchgeht.
Farbintensiver Urwald
Deleaus Stadtansichten wie die Shanghais kommen hingegen als eindrucksvolle Panoramen daher. „Shanghai II“, im letzten Jahr entstanden, gehört sicherlich zu einem der Attraktionen der Ausstellung. An anderer Stelle bettet Deleau für seine urbanen Darstellungen Unschärfeeffekte in die Farbschichten aus Acryl ein und spielt gekonnt mit der Schnittstelle zwischen Fotografie und Malerei.
Stefan Hoenerloh, der gerne ein Geheimnis aus seiner Künstlerpersönlichkeit macht und zur Vernissage nicht auftauchte, setzt dem Ganzen die Strenge der Architektur entgegen. Seine magischen Häuserfronten, Arkaden- und Treppengebilde entstehen in einer ungewöhnlichen Mehrschichttechnik, die in punkto Fotorealismus vielleicht einen Anknüpfungspunkt zu einigen Werken Deleaus aufzeigt.
Menschenleere Filmkulissen
Menschenleer sind Hoenerlohs Gemälde, die so geheimnisvolle Titel wie „Erdtelefon“, „Am linken Bildrand: 7000 Eichen“ oder „Der Mensch erscheint im Holozän“ tragen. Die Magie dieser Bilder entsteht durch ihr mysteriöses Antlitz und ihren monumentalen Charakter. Die exakte Realität dieser Gebäude liegt scheinbar auch im Dunkeln. Man könnte es auch mit Filmkulissen zu „12 Monkeys“ oder dem neuesten Endzeit-Thriller Roland Emmerichs zu tun haben. Eigentlich müsste, einem Comic gleich, mit jedem danach folgenden Bild eine gigantische Flutwelle durch die ominösen Häuserschluchten Hoenerlohs donnern. Dieser Eindruck einer szenischen Möglichkeit macht das geradezu Unheimliche dieser Werke aus.
Im Verhältnis zu Deleaus Farbmelodien entsteht so ein spannungsvoller Kontrast. „Im Sujet der gegenständlichen Malerei kann es vielleicht nicht gegensätzlicher sein“, erklärte Michael Schmalfuß in seiner Einführungsrede und dürfte damit durchaus Recht behalten.
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Ein wenig überrascht auf Grund des scharfen Kontrasts und Gegensatz der Bilder Deleaus und Hoenerlohs wird ein jeder gewesen sein, der die Räume der Vernissage betrat. Während sich dem Betrachter durch Honerlohs Bilder ein Raum offenbarte, der durch die “Unbeseeltheit” erschreckte, gewöhnte man sich doch schneller an die teilweise stark expressive Malart Deleaus.
Dennoch bleiben eher die Stadtansichten haften. Welche Funktion besitzt bei ihm die Nichtfarbe, das Grau? Ist sie die Farbe des Nichts, Anlehnung an Richter? Sollen die Bilder Ausdruckslosigkeit vermitteln, die bloße Konfrontation mit der Undeutbarkeit? Auch die sogenannten “geheimnisvollen Titel” werfen Fragen auf. Womöglich gab die soziale Plastik von Beuys “7000 Eichen” (als “Antwort” auf die Urbanisierung) Hoenerloh einen Anreiz, dem Menschen vollkommen übersteigerte, kalte Steinansichten vorzusetzen.
Als Einzelstücke erzielen die Werke Hoenerlohs Überraschung und Interesse, im Kontrast zu Delaus “Stimmungsmacher” Angst und Anregung zum Nachdenken, jedoch als eigenständige Werkreihe eher Langweile. Dank Deleau durfte sich das Auge des Berachters “ausruhen und aufregen” : Die Mischung machts.
Durch die Vernissage bin ich auf diese hervorragende Seite aufmerksam geworden. Vielen Dank.
Ricarda
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