„Genius und Wahn“: Horst-Janssen-Ausstellung in der Galerie auf dem Schiffenberg
17. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Kunst
Bei Hamburgs Taxifahrern zahlte er mit Radierungen: Kuckuckskind, Genie, Verführer, Enfant terrible, Egoman – in einer eindrücklichen Einführung über Horst Janssen (1929 bis 1995) hat Dieter Schormann am Samstagabend in der Galerie auf dem Schiffenberg die Ausstellung „Genius und Wahn“ eröffnet. Über 150 Werke Janssens sind in den Räumen von Galerist Rudolf Lotz zusammengekommen – Poster und Plakate, Radierungen und Lithografien. Schormann ließ dazu die verschiedenen Anekdoten dieses wahnwitzigen Künstlerlebens für die knapp 50 Besucher noch einmal aufflackern
GIESSEN. Etwa die Anekdote, dass Janssen, dem seine Heimatstadt Oldenburg ein ganzes Museum gewidmet hat, bei Hamburger Taxifahrern bekannt und beliebt war, weil er stets mit einer Radierung die Fahrt beglich. Aber Hamburg blieb dem gebürtigen Oldenburger auch gesellschaftlich verschlossen, weil jede Einladung seiner Person in einem Eklat oder kurzfristigen Entführung der Dame des Hauses geendet hätte. Schormann erinnerte auch daran, wie Janssen sich zur Zeit der Notstandsgesetze mit der Politik anlegte oder Künstlerkollegen reines Kommerzdenken unterstellte. Lebenslanger Freund blieb nur der Maler, Zeichner und Bildhauer Paul Wunderlich (* 1927), wie Schormann erklärte.
Auch Janssens schweren Schicksalsschlag, einen Arbeitsunfall auf seinem Balkon im Mai 1990, bei dem sich literweise Salpetersäure über seinen Körper ergoss und ihn fast blind machte, machte Schormann deutlich. Die letzten Lebensjahre müssen für Janssen ein Grauen und eine Erniedrigung ohne gleichen gewesen sein.
Der Künstler hat immer über den Tod und damit gegen ihn angezeichnet. Das machen die ebenso filigranen wie morbiden Werke in der Galerie auf dem Schiffenberg mehr als deutlich. Kein deutscher Künstler hat auch eine solche Fülle an Selbstporträts hinterlassen. Dann aber fast unfähig sein zu müssen, richtig zu sehen, muss für Janssen eine unvorstellbare Schmach dargestellt haben. Aber Janssen wandte sich daraufhin noch mehr der Literatur zu und schrieb ein Krankentagebuch.
Sicher sollte man auch den Egomanen Janssen nicht vergessen, der Sätze wie „Ichiger geht’s nicht“ über sich selbst schrieb. Aber in erste Linie war er eben ein großer Zeichner. Davon zeugt nicht ein Porträt Andy Warhols, das (noch!) in der Gießener Ausstellung zu sehen ist.
Die Preise sind angepasst und manche Radierung oder manches Plakat kann man für einen zweistelligen Betrag erwerben. Die Ausstellung wird außerdem bis Mitte Mai von drei Lesungen begleitet. Die Termine werden noch bekannt gegeben.
Noch bis Mitte Mai. Öffnungszeiten der Ausstellung sind montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr.
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