Ray Cooneys Boulevardkomödie „Außer Kontrolle“ beim Neuen Kellertheater
16. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: TheaterPolitik ist Kampf. Nicht mal eine Affäre in der Suite des Westminster-Hotels kann man sich als Staatsminister erlauben, ohne gleich mit der Opposition im Bett zu landen. So jedenfalls in Ray Cooneys wunderbarer Boulevardkomödie „Außer Kontrolle“, die das Neue Kellertheater am Samstag einem hellauf begeisterten Premierenpublikum präsentiert hat
WETZLAR. Zur Freude dessen hat Minister Richard Willey, den Stefan Holler als mal resoluten, mal nahe am Nervenzusammenbruch stehenden Managertyp durch den zweistündigen Abend balanciert, noch ein zweites Problem: Zusammen mit seiner designierten Oppositions-Affäre Jane Worthington, die Kati Weiss mit schrulligem Charme und gelegentlicher Verruchtheit ausschmückt, entdeckt der Minister eine Leiche in der Suite. Die muss selbstverständlich weg, aber nicht nur die entschiedene Hotelmanagerin (Eiserne Lady: Eveline Lembke) muss dabei überwunden werden. Willeys tollpatschiger und irgendwie mit allem überforderter Sekretär George, den Daniel Schwalbowski mit clownesquer Bravour aufs Tapet bringt, ist da auch nur selten eine Hilfe.
Hausregisseur Lars Lembke hat sein Ensemble glänzend für das irrwitzige Spiel aus Ausreden und immer neuen Fettnäpfchen in Szene gesetzt. Atemlos überschlagen sich im „typical british“ Bühnenbild von Raphael Schumann die Ereignisse, während ein Minister, der eigentlich im Parlament sein müsste, ein nicht zustande gekommenes Tête-à-tête vorm Ehemann der Nicht-Geliebten und seiner eigenen Frau zu verheimlichen versucht.
Lembkes Regie macht aus Cooneys Schwank eine Farce vom Feinsten. Jeder Anschluss sitzt. Geht die Schranktür zu, flieht schon wieder jemand durchs Fenster. Die zwingende Logik dieser ablaufenden Bürgerkatastrophen, dieses Renen von einer Notlüge zur nächsten funktioniert beim Neuen Kellertheater perfekt. Das Publikum wird streckenweise regelrechten Zwerchfellmassagen ausgesetzt.
Halsbrecherisch bis irrwitzig streifen Bernhard Riedel (als Janes Ehemann Ronnie), Peter Kranzler (als Etagenkellerner Cromwell), Geli Hoffmann (als Richards Ehefrau Pamela) und Harald Rasche (als ‚Körper’ wie bewusstloser Detektiv) zusätzlich das szenische Geschehen. Stets ein kleiner Höhepunkt sind auch die Auftritte von Teresa Gehring als Krankenschwester Gladys, die mimisch wie verbal gar nicht so entfernt an Luise Koschinsky erinnern.
In zwingender Logik reicht eine Pointe an die nächste: So gut wurde man im Neuen Kellertheater zuletzt mit Yasmina Rezas „Kunst“ unterhalten. Da gab es zu Recht Blumen für alle Beteiligten vom 1. Vorsitzenden Andrés Zarra Esperón. Oberbürgermeister Wolfram Dette lobte zur Eröffnung der Premierenfeier eine reife Ensembleleistung.
Weitere Aufführungen im März am 26., 27. und 28 sowie vom 9. bis 11., 16. bis 18., am 23. und 25. sowie 30. April.
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