Jost Vacano nimmt 10. Marburger Kamerapreis entgegen
15. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Aufmacher, Kino/FilmBei einer gebührenden Feier im Rathaus hat Jost Vacano den 10. Marburger Kamerapreis entgegen genommen. Viel sei dabei von der Verbindung zwischen Technik und Ästhetk die Rede gewesen, bericht die Oberhessische Presse. Auf den Internetseiten der Universität wird auch aktuell berichtet und Präsidentin Krause damit zitiert, dass zehn Jahre Kamerapreis zeigen, „was die Verbindung von Wissenschaft und Kultur bewirken kann: einen Forschungsschwerpunkt zu etablieren, durch Publikationen die wissenschaftliche Diskussion nachhaltig zu prägen und die Philipps-Universität Marburg und ihr Institut für Medienwissenschaft weithin bekannt zu machen.“ Ihren Auftakt hatte die Verleihung mit einer Vacano-Ausstellung in der Uni-Bibliothek und Vorführungen im Filmkunsttheater genommen, wo die ROsotff-Fabrik ewas spionierte
MARBURG. „Die Wertschätzung, die hier gepflegt wird, ist etwa ganz besonders“, schickte Jost Vacano zur Eröffnung der 12. Marburger Kameragespräche in Richtung der Veranstalter und Organisatoren vom Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität. Der Träger des parallel vergebenen 10. Marburger Kamerapreises, mit dem Vacano am Abend ausgezeichnet wurde, hob in seiner Ansprache in der Universitätsbibliothek vor allem die „fruchtbare Verbindung von Filmwissenschaft und Filmpraxis“ hervor, die in Marburg stattfinde. „Ich bin selber immer ganz erstaunt, was die Wissenschaft so alles über meine Kameraarbeit herausfindet“, scherzte schließlich Vacano in Gegenwart von Bibliotheks-Direktor Hubertus Neuhausen und Professor Dr. Karl Prümm. Gleich im Anschluss ließ Vacano es sich nicht nehmen, die zahlreichen Besucher persönlich durch die imposante Ausstellung „Die Kamera als Augenzeuge“ zu führen.
Zentral ist natürlich auch hier „Das Boot“, das als Miniaturmodell in der Mitte der Ausstellungsfläche thront. Drumherum sind zahlreiche Original-Requisiten, Filmbanddosen, Drehprotokolle, Fotografien und Stative zu sehen. In zwei weiteren Vitrinen leuchten Fachblätter mit Vacano-Titelstorys und seinen wichtigsten Preisen, darunter auch die Urkunde zur Oscar-Nominierung von 1983 und die Goldene Kamera von 2007.
Lang gestreckt befindet sich außerhalb des Pavillons eine Reihe von Schwarzweißfotografien zum „Boot“, auf dem man irgendwann sogar Herbert Grönemeyer entdecken kann.
Auch wenn Vacano Filme mit Peter Schamoni, Volker Schlöndorff und Paul Verhoeven wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „The 21 Hours Of Munich“, „Die unendliche Geschichte“, „Robo Cop“, „Total Recall“ oder „Hollow Man“ gedreht hat, liegt das Wolfgang-Petersen-Werk wie ein Fels in Vacanos Filmographie. „Wenn es ein Weltkulturerbe für Kinobilder gäbe, müssten Jost Vacanos Bilder aus ‚Das Boot’ auf jeden Fall dazugehören“, erklärte Professor Prümm im Blick auf die klaustrophobische Atmosphäre unter Deck, die hier kongenial eingefangen werden konnte. Für Prümm war es auch ein Abschied, denn der Gründungsvater der international renommierten Veranstaltung verlässt das Organisationsteam nach zwölf Jahren und geht in den Ruhestand.
Im Filmkunsttheater „Kammer“ ließ Prümm aber keine Sentimentalität aufkommen. Er glaube, dass Kameragespräche wie Preis bei seinen Nachfolgern in guten Händen seien. Das Ziel, der oft unterschätzten Arbeit der Kameraleute ein Forum für Diskurs und Auseinandersetzung zu bieten, werde man so auch in der Zukunft gerecht. Prümm dankte zudem den Sponsoren und Unterstützern und vor allem der Familie Hetsch von den Marburger Filmkunsttheatern.
Neben Grußworten von Dekan Dr. Lothar Schmidt, Kultur-Fachdienst-Leiter Dr. Richard Laufner und Dr. Michael Neubauer vom Bundesverband Kamera sowie einem Vertreter vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst, merkte Universitätspräsidentin Professor Dr. Katharina Krause an, dass sie von den Bildern Vacanos „regelrecht verführt“ sei. Krause spielte vor allem auf das Niveau der cineastischen Ikonografie an Vacanos und betonte das Privileg eines „Blickes in eine Werkstatt“, den der Kamerapreis seit zehn Jahren ermögliche.
Mit einer Vorführung von „Moskau 1957“ und „Schonzeit für Füchse“ von Peter Schamoni, der auch in die „Kammer“ gekommen war, ging es am Nachmittag weiter, bis am Abend schließlich die Preisverleihung anstand.
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