UKE Diekmann und Volker Steinbacher im Marburger Kunstverein
10. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Kunst
Parcourslauf zwischen Drucken, Papierarbeiten, Installationen und Videos
MARBURG. Allein die Titel füllen schon ganze Spalten: „Die Leute in Abchasien bevorzugen Intarsien“ hat Ulrich alias UKE Diekmann seinen Ausstellungsbereich äußerst rätselhaft genannt. Im Erdgeschoss des Kunstvereins zeigt der 55-Jährige Installationen, Video- und Papierbarbeiten. Volker Steinbacher hingegen titelt „kopf über, land unter“ sowie „Welt Auge – der Weg der Steine“, womit im ersten Stock auch gleich die räumliche Trennung seiner Arbeiten markiert ist. Im vorderen Raum begegnen dem Betrachter – quasi „kopf über“ – Drucke, die in kosmische Gefilde führen. Ist es Pluto, ist es Venus, was wir da sehen? Mit markanten Oberflächenstrukturen und Überlagerungen zeigen Steinbachers Drucke, die so ominöse Namen tragen wie „Chronos“, „Ares“ oder „Iovis“, Kreis- und Ovalformen und spielen auf Lichtjahre entfernte Himmelskörper an.
Vom Mars zur Erde
Im Hauptraum richtet sich der Blick dann wieder ganz der Erde zu: „land unter“. Keine Flutbilder sind es, die Steinbacher hier zeigt, sondern panoramaartig geweitete Landschaftsbilder, die der 53-Jährige vollständig im Atelier schafft. Kein Abbild entsteht dabei, eher Ideen von Landschaft, die an Abstrakten Expressionismus erinnern.
Dazwischen ruht mitten im Raum ein großer Steinkreis. Bei näherer Betrachtung sieht man Augen, die jeweils auf die Steine gemalt sind. Sie sind die zentralen Utensilien von Steinbachers „Weg der Steine“-Projekt, das sich in nur sieben Jahren in der ganzen Welt verbreitet hat. In 189 Ländern hat der Künstler bereits jeweils einen Stein platzieren können oder lassen. Nur fünf Staaten, wie etwa Tonga, fehlen noch. Und sogar auf der Internationalen Raumstation ISS befindet sich einer seinen Augensteine. Man könnte Steinbachers skulpturale Guerilla-Taktik durchaus als indirektes Medien-Projekt verstehen. Anfangs schickten die Leute noch Protokolle, mittlerweile erreichen ihn ganze Panoramaaufnahmen von den jeweiligen Orten, an denen die Steine ausliegen. Immer aus dem Blickwinkel des Steinauges versteht sich. Das ganze ist hervorragend auf seiner Internetseite dokumentiert und kann auch während der Ausstellung auf dem extra bereit gestellten Rechner nachrecherchiert werden, mit dem Steinbacher das Projekt vor sieben Jahren aufgenommen hat.
Sprüche klopfen, Glocken läuten
Zurück im Erdgeschoss stößt der Betrachter zunächst auf eine großformatige Papierarbeit. Denn UKE Diekmanns „Intarsien“ sind keine Einlegearbeit aus Holz, sondern Aquarell auf Papier mit dem Cutter ausgeschnitten, eingepasst und mit transparentem Klebeband rückseitig fixiert. Auf ersten Blick denkt man an große Logo-Ansammlungen wie in der Außenwerbung von Einkaufsgalerien. Nur sieht man bei Diekmann wilde Comicfiguren oder liest Sprüche wie „Dieses Bild erst betrachten, wenn Sie zur Ruhe gekommen sind“ oder „Haben Sie keine Angst und sehen Sie einfach nicht hin“.
Der hintere Raum ist dann ganz seinen Videoarbeiten und Installationen gewidmet. Tritt man ein, umspült einen sofort eine dubiose Kakophonie. Technoide Geräuschfetzen wechseln und überlagern sich mit Glockenläuten. Für erstere sorgt „Domestic Application“, eine geradezu beunruhigende Videoarbeit, die Diekamnn rein durch das Abfilmen einer flackernden Neonröhre und der gefilterten Verstärkung ihres Klangs geschaffen hat. Die vierteilige Bildschirm-Anordnung „For Whom the Bell Tolls“ hingegen thematisiert das Sujet des Porträts und wartet nur darauf, dass der Betrachter das rhythmische Zusammenspiel von Ton- und Bildebene durchschaut. Außerdem begegnet einem Diekmann als „Blumentäuscher“, einem charmanten älteren Herrn, der mit seinen Offerten nur noch scheitern kann und als abspeckwilliger Kurgast in einer Duschkabine.
Am Ende fehlen einem vielleicht die Zusammenhänge zwischen beiden Stockwerken. Aber derade weil den Stockwerken ein gemeinsamer roter Faden fehlt, bewegt man sich in der Ausstellung der beiden Frankfurter Künstler und ehemaligen Städel-Schüler wie zwischen einzelnen Stationen. Diekmann und Steinbacher laden bis 22. April zum Parcourslaufen vorbei an unterschiedlichsten Formaten, Themen und Projekten, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Vernissage ist am Freitag, 12. März, um 18 Uhr. Eine Einführung besorgt Kunsthistorikerin Ortrud Toker.
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super … mir gefällt ausgehzwang.de sehr gut. Man merkt, da nutzt ein kompetenter Schreiberling sein Handwerkszeug!!!
mit kollegialen Grüßen
Wilfried J. Klein
P.S. ich zwitschere unter http://twitter.com/digiklecks
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