Taatr Mani zeigt „Gav – Die Kuh“ bei Kinder- und Jugendtheatertagen
9. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: TheaterMARBURG. Die Oberhessische Presse berichtet ausführlich über die Eröffnung der Hessischen Kinder- und Jugendtheatertage im Theater am Schwanhof sowie die ersten Shows. Die ROstoff-Fabrik spionierte derweil beim Gastspiel des iranischen Taatr Mani.
Streit und Konkurrenzdenken mit viel Slapstick auf die Bühne gebracht
Mit ihrem Gastspiel von „Gav – Die Kuh“ hat das Taatre Mani aus Teheheran am Sonntagnachmittag nicht nur die kleinen Theaterbesucher ab sechs Jahren bestens unterhalten. Das charmante Stück mit Puppen, Koffern und einer Stoffkuh thematisiert auf originelle Weise Nachbarschaftsstreit und Konkurrenzdenken, wie es in Deutschland, im Iran und im Rest der Welt eben bestens bekannt ist.
Mit ihren übergroßen Multifunktionskoffern aus Holz lassen sich Mahdi Farshidi Sepehr und Hamed Zahmatkesh auf der Bühne nieder. Zwei Reisende schlagen ihre Zelte, oder besser ihre Häuser auf. Natürlich zieht man klare Grundstücksgrenzen. Und bald beginnt ein gnadenloser Kampf, den die beiden iranischen Schauspieler mit viel Slapstick spielen: Wer hat die schönere Einrichtung, das neueste Radio, den besseren Wasserkocher, Staubsauger, Backofen und so weiter.
Sepehr und Zahmatkesh brauchen dafür kaum Sprache, nur einige persische Wortfetzen erklingen gelegentlich, die im Publikum für verwunderte Reaktionen sorgen. Eine deutsche Off-Stimme macht die Zusammenhänge dann zusätzlich deutlich.
Doch als eines Tages eine Kuh mitten auf der Grundstücksgrenze auftaucht, braucht es für das Verständnis keine Erklärungen mehr. Das eh schon angespannte Nachbarschaftsverhältnis eskaliert: Wem gehört die Kuh, wer darf sie melken? Und wer holt sie erstmal wieder vom Laternenpfahl runter? Da der Dritte ausbleibt, der sich hier gewinnend freuen könnte, nimmt das Stück eine Wendung, nach der aus den ursprünglichen Gegnern echte Freunde und Viehzüchter werden. Auch wenn es bis zum Schluss noch zu leichten Reibereien kommt.
Nach der Vorstellung erzählen die beiden Schauspieler vom Taatr Mani ganz offen, dass ihnen Kindertheater sehr am Herzen liegt. Das junge Publikum sei eine besondere Herausforderung, erklären Sepehr und Zahmatkesh. Ihre berufliche Situation im Iran sei zwar anders als vielleicht in Deutschland, aber von Repressalien oder Sanktionen seitens des Staates würde sie nichts spüren. „Wir haben im Iran kaum Häuser mit festen Ensembles“, so Sepehr. „Eine Gruppe spielt einige Abende in einem Theater und dann kommt eine andere Gruppe“, berichtet der iranische Schauspieler. Natürlich spielen sie auch oft in Schulen und Kindergärten und eben auf Festivals. Auch von Kollegen haben sie noch nicht gehört, die durch ihre Kunst mit dem Staat in Konflikt geraten sind. Dennoch hoffen sie inständig, dass das auch insgesamt so bleiben wird.
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