B.-Traven-Ausstellung im Verlagshaus der Edition AV gibt Auftakt zu 8. Licher Kulturtagen
8. März 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: LiteraturLICH. In Gegenwart der mexikanischen Generalkonsulin Pérrz Charles haben Andreas W. Hohmann und sein Team vom Verlag Edition AV am Samstagabend die Ausstellung „Ziegelbrenner, Totenschiff, die Troza“ als Auftakt zu den 8. Licher Kulturtagen eröffnet. Selten konnte man dem geheimnisumwitterten deutschen Autor, der 1969 in Mexiko City starb und dessen Geburtsdatum wie Geburtsort bis heute im Dunkeln liegt, dabei so nahe kommen wie hier. Mit Bild-Text-Tafeln, Originalen und vielen Büchern, darunter viele Erstausgaben der Traven-Romane und die Ausgaben der anarchistischen Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“, fächert sich das bewegte Leben des rätselhaften Schriftstellers auf.
Filmplakate des „Totenschiffs“ mit Horst Buchholz und von der legendären Verfilmung vom „Schatz der Sierra Madre“ mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle ziehen da ebenso an einem vorbei wie Buchausgaben aus der ehemaligen DDR. Dort war Traven, trotz seines anarchistischen Profils, nämlich erstaunlicherweise nicht verboten, wie Kurator Wolf-Dietrich Schramm in zwei aufgeteilten Führungen erklärt. Die 50 Vernissagebesucher warteten da gerne, bis es ins Treppenhaus und den ersten Stock ging, wo für alle auf einmal einfach nicht genügend Platz war.
So erfuhr man von Schramm auch, wie populär Traven noch heute in Mexiko ist, wohin er 1925 auswanderte. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil sich seine 16 (!) letzten Romane, darunter vor allem der Mahagoni-Zyklus, alle mit Mexiko und dem Schicksal der indianischen Ureinwohner beschäftigen.
„Nach all den Ausstellungen, die wir hier gemacht haben – wie Günther Grass oder Armin Müller-Stahl – wollten wir eigentlich eine ruhige Ausstellung“, erklärte Hausherr Hohmann in seiner Begrüßung. So richtig ruhig wurde es jedoch nicht, denn die ursprünglich in Lübeck entstandene Ausstellung musste von Kurator Schramm und dem AV-Team von 250 Quadratmetern auf eben 25 Quadratmeter herunter gebrochen werden. Hohmann ergänzte zudem, dass es sich um die bisher einzige Traven-Ausstellung in Hessen handele. So ist die Ausstellung einen Besuch des ehrenamtlich betriebenen Verlages gleich doppelt wert.
„Mein Werk ist wichtig, nicht der Autor“, hat Traven, der große Unbekannte der Weltliteratur, immer wieder betont. Sein Verlag, die „Büchergilde Gutenberg“, die in der Wetzsteinstraße auch eine Gießener Niederlassung besitzt, hat Jahre lang nur über ein Postfach in Mexiko City Kontakt mit Traven halten können. Die Ausstellung gibt Laien wie Germanisten zumindest die Möglichkeit sich, Autor und Werk in einem historischen Zusammenhang anzunähern. Das Kino Traumstern zeigt parallel am 21. März in einer Matinée-Vorstellung ab 12 Uhr „Das Totenschiff“.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Verlagshaus der Edition AV in der Schäfergasse 9: montags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr, freitags bis sonntags von 15 bis 19 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 06404 – 65 707 63.
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