Gudrun Niessner-Wild zeigt Zeichnungen, Aquarelldrucke und Fotografien im TTZ

4. März 2010 | Von | Kategorie: Kunst

Venedigs Seufzerbrücke auf originellen Foto-Übermalungen: Ungewöhnliche Perspektiven auf die Landschaftsmalerei bietet ein Großteil von Gudrun Niessner-Wilds Werken, die seit Dienstagabend im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) zu sehen sind. Niemals Menschen, aber Häuser, Hügel und Horizont macht Niessner-Wild ebenso zum Motiv wie das Blatt des Ginkgo-Baumes

MARBURG. Im Foyer begegnen dem Betrachter „Zwei Ginkgoblätter“ oder eine „Ginkgo-Landschaft“, worauf die Pflanzen überdimensional aus der Landschaft herausstechen. So entsteht der Eindruck der Collage, aber auch eine „unwirkliche und bedrohliche“ Anmutung, wie Dr. Irene Ewinkel in ihrer treffenden Einführung erklärt. Dazu gibt Niessner-Wild ihren Lasergrafien, die sie als Aquarelle zeichnet und per Lasertechnik auf Leinwand drucken lässt, einen zusätzlichen Rahmen. Zusammen mit unsystematischen Farbklecksen wird so mit den Grenzen und Gesetzen des Bildraumes gespielt. Zusätzlich verarbeitet Niessner-Wild kalligrafische Elementen, indem sie halbgroße Buchstaben, die „Landschaft“ ergeben, ins Bild integriert.

In „Quadrat in der Landschaft“ oder im „Landschafts-Triptychon“ gelingt der Kunstlehrerin a. D. dabei in der Tat ein Wechselspiel an „ Mutationen von belebter und unbelebter Natur“, wie Ewinkel auf den Punkt bringt. Geradezu im Schatten des anarchischen Surrealismus stehen schließlich Niessner-Wilds Toscana-Bilder, die in Caféteria und Wintergarten zu sehen sind. Dächer, Fenster und Wände sind darauf verschoben, derangiert und scheinen jedem zweckmäßigen Sinn entzogen. „Alles ist in Bewegung, nichts an seinem Platz“, erklärt Ewinkel.

Auf der Konferenzetage im Obergeschoss hingegen sind Fotografien aus Marokko, Kreta, und Malta zu sehen, wie die Bilder auch jeweils heißen. Viel schöner sind hingegen die Foto-Übermalungen aus Venedig. Niessner-Wild hat dafür die Seufzerbrücke oder eine venezianische Baustelle mit der typischen orange perforierten Absperrtapete abgelichtet und das Foto hinterher in zwei Stufen übermalt, wodurch äußerst ansehnliche Motiv-Verschiebungen im vertikalen Triptychon-Format entstehen.

Abgerundet wird die Ausstellung schließlich durch eine handvoll „Hommagen à Marburger Sommerakademie“ und „Landschafts-Comics“, die Niessner-Wild mit der Rohrfeder gezeichnet hat und dabei mit der Struktur von Comics spielt, sie aber auf einer abstrakten Ebene jedem linearen Erzählen entzieht.

Alles in allem eine sehenswerte Ausstellung, die den Besuch des TTZ absolut lohnt, da schienen sich TTZ-Leiter Thomas Schneider und die 50 Vernissage-Besucher ziemlich einig. Marburgs Arbeitsamt wie Arbeitsgericht werden nicht ohne Grund in der Vergangenheit bereits einige der Werke Niessner-Wilds erworben haben.

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