Vierte „Artinea“ zeigt auf Schloss Rauischholzhausen zeitgemäßes Design zwischen ästhetischem Experiment und Nützlichkeit
28. Februar 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Kulinarisch & Edel
RAUISCHHOLZHAUSEN. Ungewöhnlich sehen sie aus. Und auf den ersten Blick auch ziemlich unbequem: Die Stühle der Gladenbacher Schreinerei Merte bestechen optisch durch ihre geschwungene Lehne aus lackiertem Nussbaumholz. Dass diese Lehne regelrecht auf die Wirbelsäule zugeschnitten ist, merkt man allerdings erst nach dem Hinsetzen und sitzt wie im gepolsterten Wohnzimmersessel.
Zeitgemäßes Design zwischen ästhetischem Experiment und Nützlichkeit hat auch die Gießenerin Ute Christiane Raschke auf der vierten „Artinea“ präsentiert. Neben einer jahreszeitlich variablen Decke für den Mittagsschlaf zeigte Raschke komfortable Tischsets aus Baumwoll-Satin, die dank eines eingenähten Polyester-Vlieses regelrecht dazu einladen länger am Ess- oder Küchentisch zu verweilen, so weich und gleichzeitig dünn und elegant sind Raschkes zweifarbige Untersetzer.
Den totalen Gegensatz dazu bilden Adam Ryls amorphe Stahlschalen. In schwarz gehalten erinnern sie ebenso an Korallen- oder Schwammgebilde wie an Requisiten eines Science-Fiction-Films. Ihre Funktionalität zur Aufbewahrung von Brot, Obst oder Knabbereien kommt dabei aber keineswegs zu kurz. „Die Objekte sind so geschweißt, dass eine irritierende Stofflichkeit entsteht, die den Anschein eines textilen Objektes weckt“, erklärt Ryl. Daran schließen Hans-Werner Henkels im wahrsten Sinne „urwüchsige“ Schalen aus Wurzelstock der Salweide nahtlos an.
Als raumfüllender Hingucker der dreitägigen Handwerks-, Design- und Kunstausstellung entpuppte sich hingegen die Arbeit „Chillout“ der Rabe-Innenausbau GmbH, eine Relax-Liege aus Holz, Linoleum und Filz in angenehm braun-grüner Färbung.
Weniger raumfüllend, aber dafür geradezu magisch: Dieter Schmidts blau strahlendes Leuchtobjekt „Schwebende Jungfrau“ sowie die rundförmigen „Kalmos“ aus Silikon von Jan Schaefer, die je nach Wunsch in weiß, rot, blau, lila oder grün leuchten können.
Im Bereich Beschallung und Audiotechnik überzeugte Björn Langlies „Lautsprecher-Lichterklang“, den die „Agile Unterhaltungselektronik“ gefertigt hat. Ein breiter Quader aus hell braunem Vogelaugenahorn hängt wie ein Stück konkrete Skulptur an der Wand – nur, dass es sich dabei um einen Lautsprecher handelt, der den Klang von seiner ganzen Oberfläche aus gleichmäßig im Raum verteilt.
Wie nahtlos sich Kunst zwischen Exponate aus Handwerk und Design fügen kann, bewiesen die Aquarelle, Guachen und Fotodrucke von Sibylle Markl, Cornelia Maykemper, Anita Badenhausen, Martin Schlimbach, Waltraud Mechsner-Spangenberrg und Carla Fassold-Luttropp. Vor allem Maykempers „Roter Torso“ blieb einem lange im Gedächtnis haften, während man durch die Räume von knapp 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche flanieren konnte.
Die Schnittstelle von Kunst, Mode und Design betonten schließlich herausragende Arbeiten wie Jessica M. Nützels „Rüstsymbiose“, ein schuppenförmiges Korsett aus handgefertigten Mahagonitafeln, das man in ihrem Marburger Modeatelier auch mal anprobieren kann. Ebenso spielen Horst Büschers „3-D-Fächer“, das Schrankregal „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ von Gerald Lanz oder das wandlungsfähige Möbel „Charlotte Eidam in Bewegung“ wie das filigrane „Schmuckkästchen“ von Alexander Kruse mit der Schnittstelle.
So konnte der Ausstellung gelingen, was der künstlerische Leiter Horst Barthel und Bürgermeister Andreas Schulz (Gemeinde Ebsdorfergrund) in ihren Begrüßungen „gegenseitige Befruchtung“ nannten. Insgesamt stellte sich ein, was Inge Maisch schon im Katalog geschrieben hatte: Eine Darstellung dessen, was „welches kreative Potenzial und welche hohe handwerkliche Kunst in der Region vorhanden sind“. Nicht minder abwechslungsreich wurde das noch von Carlo Ghirardato und der Band „Soul Food“ unterstrichen.
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ein schöner Artikel…….
ich frage mich aber, wieso die Zentaurin vor dem Schloss nicht erwähnt wird : eine Beton-Plastik der Künstlerin Kamala Seelbach und auch meine Mosaiken, sowie das große Ölbild (immer hinter den Rednern und Musikern gut zu sehen) nicht erwähnt sind. Auch in der Liste der KünstlerInnen tauche ich nicht auf: unsichtbare Mosaike? oder so passend, dass nicht wahrgenommen? auf meiner webseite http://www.sharchen-beata.com jedenfalls sind alle Sachen zu sehen und auch Impressionen zur Artinea………
viel Spaß beim Ansehen !
frfeundliche Grüße
Sharchen Hagen