Jens Friebe liest im Jokus aus der Neuausgabe von „52 Wochenenden“

20. Februar 2010 | Von | Kategorie: Literatur

Popliterat im kleinen Kreis der Eingeweihten: Schon am frühen Abend schlidderte man vom Berliner Platz aus eher in Richtung Jokus. Ob es der Grund für die kleine Besucherschar war, die zu Jens Friebes Lesung kamen, sei dahingestellt. Gerade mal 15 Zuhörer lauschten dem Sänger und Popliteraten, der aus der Neuausgabe seines gefeierten Erzählbandes „52 Wochenenden“ las

GIESSEN. Der Berliner Verbrecher Verlag hatte das 2007 bei Kiepenheuer & Witsch erschienene und schnell vergriffene Werk in einer „kritischen Ausgabe“ nochmals herausgebracht. Neu sind die Anmerkungen und Ergänzungen, die Germanistin Jelenia Gora nebst einem editorischen Apparat hinzugefügt.

Friebe macht in seiner Lesung daraus passend einen vor- und zurückblätternden Vortrag, getragen von einem sympathischen Maß an Selbstironie. Mal sind es nur Ortsnamen, die Gora dem Autor gerade rückt, mal hochgestochene Belehrungen zu Allegorie und Symbol.

Ansonsten ist bei dem – teils essayistischen, teils poetischen – Reisetagebuch  „52 Wochenenden“ alles beim Alten geblieben: Frieb als Frontmann auf Tour, Friebe als Flaneur, Friebe als Philosoph und Gegenwartsbewohner. Post-DDR-Bands wie die „Inchtabokatables“ oder „Herbst in Peking“ ziehen in Jokus-Lesung ebenso vorbei wie eine regelrechte Elegie auf Friebes Bassisten Hans Narva, den „Geisterfahrer auf der Straße der Staatsräson“. Und wenn Friebe den Epilier-Wahnsinn historisch mit dem Mauerfall verknüpft, lässt auch der kleine Kreis der Eingeweihten im Jokus gerne die Lachmuskeln spielen. Nicht minder, wenn Friebe den sprachlichen Zeitgeist „krass“ aufs Korn und treffend analysiert, dass bei dem geradezu unerträglich inflationär gebrauchten Adjektiv lediglich ein Ausdruck von Intensität zu erkennen sei, nicht aber mehr deren Richtung. Eingerahmt hat Friebe die Lesung seiner „52 Wochenenden“ mit einem, in der Wochenzeitung „Jungle World“ erschienen Vegetarismus-Debatte und einer seiner „Saturday-Night-Geschichten“. Die Gießener Allgemeine hat recht ausführlich über die Lesung berichtet und nennt dogar noch ein zwei Alben, die Friebe als Sänger herausgebracht hat.

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