Dokumentarfilm über das Leben russischer Juden in Frankfurt

15. Februar 2010 | Von | Kategorie: Kino/Film

Wir kamen als Sieger in das Land der Besiegten- Thomas Bergmann und Mischka Popp, Macher von „Mazel Tov“ zu Gast im Traumstern

LICH. Der 9. Mai ist der Tag der Befreiung. Der Tag an dem sie Nazideutschland besiegt haben . Die Veteranen der Roten Armee legen ihre Orden an und erzählen vom großen Vaterländischen Krieg, bei dem es für sie besonders um das Überleben ging. Sie sind russische Juden und wussten, wenn Hitler-Deutschland gewonnen hätte, gäbe es keine Juden mehr auf der Welt. Die Klezmerband spielt für sie „Mazel Tov“, Glückwunsch. Im Kino Traumstern stellten die Regisseure Mischka Popp und Thomas Bergmann zu ihren neuen Film „Mazel Tov“ vor. Nur 15 Besucher waren gekommen um sich mit dem faszinierenden Film auseinander zu setzen.

Thomas Bergmann (links) und Mischka Popp stellten im Traumstern ihren Dokumentarfilm vor. Bild: Fahm

Die Frankfurter Filmemacher haben sich in der Frankfurter jüdischen Gemeinde umgesehen und die Wünsche, Träume und das Leben der Immigranten eingefangen. Nach der Öffnung des Ostblocks kamen etwa 200 000 russische Juden allein nach Deutschland. Die Zahl der Mitglieder der deutschen jüdischen Gemeinden versechsfachte sich innerhalb von zwei Jahren. In der liberalen Frankfurter Gemeinde bewältigten die eingesessenen Mitglieder eine Integrationsarbeit, die ihresgleichen auf der Welt sucht.

Ankunft in einer völlig neuen Welt

„Die haben gedacht, sie kommen als Sieger in das Land der Besiegten, zu einem Volk, dass sie befreit haben von den Nazis“, sagt Dalia Moneta, die als Sozialarbeiterin der Gemeinde erste Ansprechpartnerin vieler der Immigranten gewesen ist. Erst nach einer Weile wird ihnen bewusst, wie tief die Verstrickung des „normalen Volkes“ mit den Nazis war. Nach Deutschland trieb sie die wirtschaftliche Not und der verbreitete Antisemitismus.

„Mazel Tov“ ist ein Film vom Kämpfen und Überleben, über Menschen, die in eine völlig neue Welt kommen. Den Stolz auf ihre Leistungen haben sie mitgebracht und in der jüdischen Gemeinde können sie ihn zeigen. Das Befreiungsfest wird noch ganz in sowjetischer Tradition gefeiert und die Veteranen werden geehrt.

Mischka Popp und Thomas Bergmann haben alte und junge Immigranten befragt und erzählen lassen. „Die Veteranen hatten sich ganz intensiv auf die Gespräche vorbereitet“, sagt Mischka Popp im Filmgespräch nach der Vorstellung. Auf das Thema seien sie beinahe zufällig gestoßen, ergänzt Bergmann. „Russische Juden, die nach Nazideutschland einwandern, was ist das denn?“, habe er sich gefragt.

Die Jungen, die sich in Deutschland neue Existenzen als Hoteliers, Lebensmittelhändler, Orchestermusiker oder Künstler aufgebaut haben, seien auf eine ungreifbare Art wie auf der Durchreise, auch wenn sie schon zwanzig Jahre in Frankfurt lebten. Sie erzählen mit Wehmut von ihren hohen Qualifikationen, die sie in der UdSSR erworben hatten und die ihnen in Deutschland nichts nützen. „Ich rate Ihnen allen, einen optimistischen Charakter zu haben“, sagt einer der Veteranen in die Kamera. Er habe so auch nach schweren Schicksalsschlägen immer weder neu anfangen können. In Mazel Tov halten die Filmemacher die philosophischen Erkenntnisse der Immigranten fest. „Über jeden einzelnen hätten wir einen eigenen Film machen können“, sagt Bergmann, so reich an Erfahrungen seien die Leben der Menschen.

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