Schauspieler, Regisseur und Autor: Christian Fries

12. Februar 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Allgemein

Seit der Spielzeit 2005/06 ist Christian Fries festes Ensemblemitglied am Stadttheater. Der Schauspieler und studierte Pianist hat sich schneller als wohl kaum jemand zuvor zur absoluten Bereicherung des städtischen Kulturlebens positioniert

GIESSEN. Allein sein Rollenrepertoire der letzten Jahre kann sich sehen lassen. Fries war Prospero in Shakespeares „Sturm“, Pozzo in Becketts „Warten auf Godot“, Präparator in Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ und Jupiter in Kleist „Amphitryon“. Und das alles hier. Und nur um einige Rollen zu nennen.

Der gebürtige Duisburger, der in Berlin Schauspiel studiert hat und bereits in Wien, Münster, Konstanz und Mainz engagiert war, hat vor seiner Gießener Zeit u .a. bei der Bremer Shakespeare Company und in der freien Szene einige erfolgreiche Regiearbeiten vorgelegt. In Gießen konnte der 49-Jährige die Regiearbeit erfolgreich fortsetzen. Etwa mit einer TiL-Inszenierung von Martin Crimps „Auf dem Land“, einer fulminanten Umsetzung von Aki Kaurismäkis „I Hired A Contract Killer“ im Schlachthof und jüngst mit der Adaption von Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“.

In dieser Spielzeit ist er als Doktor in der Woyzeck-Inszenierung und als Baumeister Solness in Henrik Ibsens gleichnamigen Stück zu sehen. Und nun – als würde das alles nicht schon ausreichen – hat er auch noch ein Buch geschrieben. „Vater gibt seinen Weinhandel auf“ heißt es und vereint Kurzprosa und Dramenfragmente. Mit einigen Kollegen hat Fries das Buch jüngst im TiL in einer Art Live-Hörspiel vorgestellt. Und auch literarisch dürfte in Zukunft noch einiges von ihm zu erwarten sein.

ROstoff-Fabrik: Wieso schreibt ein Schauspieler, der außerdem noch inszeniert, Prosa bzw. kleine Theatertexte?

Christian Fries: Umgekehrt! Wieso wird einer, der schreibt, Schauspieler! Weil er von der Schriftstellerei nicht leben kann. – Theater geht nach außen, Schreiben nach innen. Es schafft Sammlung, Einkehr. Ein Gegengewicht zur Hysterie, die am Theater herrscht. Und dann: Theater ist, wie der Geheimrat Goethe sagt, eine Kunst, die ins Wasser schreibt. Was auf Papier geschrieben steht, bleibt (etwas länger). Abends nehme ich das Buch in die Hand, freue mich und schlafe dann besser.

Was muss passieren, damit Du ins oder besser zum Schreiben kommst?

Fries: Probenfrei morgens, das ist am besten. Im Großen gilt: Lebenswendungen drücken mir den Stift in die Hand. Aber im Grunde braucht´s keine besonderen Bedingungen. Ich schreibe, seitdem ich „Ich“ zu mir sage. Ist wie Atmen.

Ist da – literarisch – in Zukunft noch mehr zu erwarten? Und was sind die nächsten großen Aufgaben an und vor der Bühne?

Fries: Kürzlich habe ich den „Kleinen Roman über die Angst“ beendet, nicht ganz so klein, wie der Titel behauptet. Und fast fertig ist ein Werk übers Joggen: „Tiefer in den Wald hinein“. Thema: Immer will der (westliche) Mensch ein anderer sein als er ist. Roman, philosophischer Essay und Ratgeber für „psychotherapeutisches Laufen“ in einem. – Am Theater winken Heiner Müller und Shakespeare.

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3 Kommentare
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  1. LIeber Christian von Katharina erfuhr ich, dass du in Klagenfurt dabei bist. Herzlichen Glückwunsch, toll.
    Ich sehe mir, wenn möglich die Übertragung seit Jahren an. “Ich schreibe, seit ich “ich” sage, ..”
    Ich erinnere mich an deine allerersten Texte, damals in Duisburg, bin sehr gespannt und freu mich von Herzen für dich.

  2. ich habe Ihnen gerade auf 3sat beim Lesen in Klagenfurt zu gehört.. Mir hat Ihr Text sehr gefallen er ist wunderbar. Vielen Dankl dafür
    Ps: Ich verachte Literaturkritiker die, in einer Sprache die verrät, dass sie selbst niemals in der Lage wären Literatur auf solch hohem Niveau zu produzieren, über Texte anderer herziehen.
    Herzlichst P. Stoffel

  3. Liebe Frau Stoffel!
    Gewiß ist das Netz und die eigene Meinung und überhaupt das ganze Leben von Hast und Unaufmerksamkeit geprägt, aber Kritiker kritisieren, der Sprache wegen, die jenseits der literarischen Potenz des Vortragenden läge, und selbst jenseits jeglicher grammatikalischer – sagen wir so? – Präzision? Nett sieht er schon aus.

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