Albert Ostermaier zu Gast bei zweiter „Uni-Tilt“-Ausgabe

12. Februar 2010 | Von | Kategorie: Theater

Der Ball ist rund und die Poesie dauert eine Halbzeit : Der Münchner Lyriker und Theaterautor bestritt zusammen mit Literaturwissenschaftlerin Yvonne Wübben einen besonders vorausschauenden Abend

GIESSEN. „Von Füßen und Bällen – Fußball in Kultur und Wissenschaft“ titelte die zweite „Uni-Tilt“-Ausgabe, einer Kooperationsveranstaltung zwischen Stadttheater und Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Universität. Und wie schon der Erstling war die Studiobühne TiL wieder gerammelt voll. Man sei besonders stolz, „der Zeit endlich einmal voraus zu sein“, erklärte Dr. Kai Bremer vom Institutfür Germanistik in seinen begrüßenden Worten und rief sogleich die Eröffnung der bevorstehenden Fußball-WM von Gießen aus aus.

Albert Ostermaier kam mit Torwart-Gedichten und “Ersatzbank”-Szenen ins TiL.                                                                                                     Bilder: ROstoff

Die Zerwürfnisse innerhalb des DFB nehme man in Kauf, scherzte Bremer weiter, bevor er die Mannschaftsaufstellung des Abends erklärte: Literaturwissenschaftlerin Professor Dr. Yvonne Wübben hielt zunächst den Vortrag „Ballsicher: Füßigkeit zwischen links und rechts“ und versuchte den profanen Charakter des Fußballspektakels zu widerlegen. Neben einigen Videobeispielen mit Ronaldinho und Zidane erörterte die Germanistin Aspekte wie Raum und Performanz im Fußballspiel als Darstellungssystem und betonte im Rückgriff auf die Sportphilosophen Gunter Gebauer und Hans-Ulrich Gumbrecht die „Unwahrscheinlichkeit der schönen Form“ als Reizmechanismus für das allgemeine Fußballinteresse.

Oden an Kahn

Als Mini-Mannschaft nebst Bänkelsänger und Trainer Trapattoni gaben daraufhin die Schauspieler Frerk Brockmeyer, Irina Ries, Petra Soltau und Dominik Breuer mit „Hymnen über grünem Rasen“ einen humoristischen Abriss an fußballerischen Sternstunden und Legenden. Frei nach dem Motto: „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“. Oder: „Der Ball ist rund und die Poesie dauert eine Halbzeit“. Denn den zweiten Teil bestritt endlich Albert Ostermaier und führte das Publikum somit in die große Tradition der Fußballlyrik ein, die einst Ror Wolf und Ludwig Harig lostraten.

Der erfolgreiche Lyriker und Theaterautor, der tags zuvor noch den Bertolt-Brecht-Preis entgegennehmen konnte, hatte „Der Torwart ist immer dort, wo es weh tut“ sowie Auszüge aus seinem Stück „Ersatzbank“ im Gepäck. Ostermaier, selbst Torwart der Autoren-Nationalmannschaft und mit Heartcore.Gedichten und lyrischen Monologen ebenso bekannt geworden wie mit Brecht- und Toller-Stücke, begann seinen Gedichts-Vortrag gleich mit fünf Oden an Oliver Kahn und bemerkte, dass ihn die hohe Anzahl auch schon beunruhige: „Als ich letztens mit Olli essen war, fiel mir auf einmal auf, dass ich wohl für keine Frau so viele Gedichte geschrieben habe wie für ihn“, scherzt Ostermaier lakonisch. Gerade die erste „ode an kahn“ hat, auch aufgrund ihres Abdrucks in einer großen Sonntagszeitung und ihrer Verbreitung im Internet, enorme Berühmtheit erlangt: „wenn er beim eckball / wie eine blonde katze aus dem / tor stürmt auf einer welle / der begeisterung durch die / blauen lüfte fliegt…“, dichtet Ostermaier Kahn zum „fels in der brandung“.

Nach einigen abschließenden Liebesgedichten Ostermaiers ging es von der Lesung schließlich direkt über zur Disco und einer „Party bis die Wade krampft“.

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