Martin Lehmann-Ebenigs „Ornamentalistik der Pflanzen“ im Atrium des Rathauses
10. Februar 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: AusgechecktGIESSEN. Als das 20. Jahrhundert noch jung war und die Avantgarden noch nicht historisch genannt werden mussten, warf die Neue Sachlichkeit mit einer Maxime von schlichter Nüchternheit ihren Gegenentwurf zu den ausufernden Manierismen des Expressionismus aufs Tapet. In der Fotografie ging Karl Blossfeldt mit seinen bis heute berühmten Pflanzenbildern so weit, in der schlichten Schönheit der Vegetation nicht nur Vorbilder für funktionales Design, sondern Urformen der Kunst zu entdecken und betitelte gleich ein ganzes Buch danach.
Knospen, Blüten, Halme
Der Gießener Fotograf Martin Lehmann-Ebenig hat sich Blossfeldt nun im wahrsten Wortsinn zum Vorbild genommen und zeigt mit seiner „Ornamentalistik der Pflanzen“ im Rahmen der Reihe „Du bist dran“ im Atrium des Rathauses noch bis zum 19. März seine Fotografien. Knospen, Blüten, Halme, Blätter – Vom Blauregen bis zur Hundsbeere sind verschiedenste Pflanzenformen vertreten, die Botaniker wie Kunstinteressierte gleichermaßen reizen dürften. In einigen Nahaufnahmen kommt Lehmann-Ebenig seinem fotografischen Vorbild erstaunlich nahe. Da sind Distel und Rose bis auf Dorne und Härchen herangeholt – Fettkraut, Küchenschelle und Stachelnuss reihen sich an Nieswurz, Fan und Zylinderputzer. Frank Sygusch, der die Ausstellungsfläche nach seinen Tanzfotografien im Atrium „abgab“, hob im Beisein von Kuratorin Dr. Ute Riese und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf die Schärfentiefe und „ausgefallene Formschönheit“ vor.
Kleine Richtigstellung
Wenn in Syguschs einführenden Worten allerdings Renger-Patzsch, Man Ray und George Bataille kurz und wild durcheinander fliegen, sei bezüglich Architekturlegende Adolf Loos wenigstens noch angemerkt, dass dieser 1908 in „Ornament und Verbrechen“ polemisch schrieb: „Ornament ist vergeudete Arbeitskraft und dadurch vergeudete Gesundheit.(…) Der moderne Mensch, der Mensch mit den modernen Nerven, braucht das Ornament nicht, er verabscheut es.“ Aber gerade Blossfeldt war es ja, der Ornament und Funktionalität zu vereinen suchte, im Gegenteil eben zum „Form Follows Function“-Vertreter Loos. In so fern ist auch Lehmann-Ebenigs Ausstellungstitel voll auf der Linie Blossfeldt.
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Lieber Bruder .Du bist in deinen fotografischen künstlerischen Leistungen sehr gut .Alles O.K Petra und Gunther