San Siro geben mit Flensburger Gastkünstlern Kommissar Hjuler und Mama Bär Anti-Konzert

7. Februar 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Konzerte

Wie ein Versuch, die Expressivität einzelner Mittel ins Unendliche zu steigern, wirkte der „Geschrei-Tango“ des Duos San Siro und den Flensburger Gastkünstlern Kommissar Hjuler und Mama Bär am Samstagabend im Kulturkeller Domizil. Zusammen mit Gitarrist Thomas Böhm eröffneten San Siro alias Wolf D. Schreiber und Evelyn Helbig die dreiteilige Show mit einer Art Interlude aus Klavier, Gitarreneffekten und betont monotoner Blockflöte.

GIESSEN. Hinter den Musikern ist eine schwarzweiße Pixellandschaft an die Wand geworfen. Das Wabern der Bildpunkte mischt sich mit der Musik zu hypnotischen Bild-Ton-Flächen. Dann treten die Flensburger Gastkünstler „Kommissar Hjuler“ und „Mama Bär“ dazu. Ihr Gesichter sind schneeweiß geschminkt. Wie meditierende Harlekine positionieren sich beide vor San Siro, sinken in sich zusammen und stimmen per bruchstückhaftem Gesang und Klopfgeräuschen in die Kakophonie ein.

Im Hintergrund läuft mittlerweile ein überbelichtetes Schwarzweiß-Video, auf dem eine Art Opferritual zu sehen ist. Individuum gegen Gesellschaft, die Barbarei des Kollektivs könnte eine signifikante Anspielung sein. Später ist eine einsame Frau im roten Kleid zu sehen, die aufs Meer hinaus blickt. Der Gesang von „Mama Bär“ kulminiert dazu in Geschrei. Am Klavier triumphiert vierhändig die Atonalität. Der kurzzeitig sphärische Charakter des Abends kehrt nur langsam wieder zurück.

Zwischen den 50 Zuhörern gibt der kleine schwarze Terrier des Gießener Malers Daniel Horvat per Bellen seine Einschätzung des Erträglichen. „Soll man sich jetzt provoziert fühlen?“, will jemand wissen. Ein anderer hatte die totale Übersteigerung des Dada-Neujahrskonzertes im Stadttheater erwartet. Und auch dem angekündigten Anti-Theater verschließen sich die Flensburger Künstler durch ihre introvertierte Haltung eher. Und Fluxus à la Macunias, Beuys oder Roth? Im Sinne des collagenartigen Ablaufs, vielleicht. Als Absage an das „herkömmliche Kunstwerks“ sicherlich. Allerdings zauberte ein Fluxus-Künstler wie Wolf Vostell seine Klänge gerade aus nicht-instrumentalen Gegenständen. Anti-Konzert trifft den „Geschrei-Tango“ formal wohl am besten.

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