Schräge Countrymusik und anspruchsvoller Anti-Folk im Café Vinyl

1. Februar 2010 | Von | Kategorie: Konzerte

Diese Satire übertrifft ihr Spottobjekt musikalisch deutlich- Gut besuchtes Konzert mit amerikanischen Kultbands Ching Chang Song und The Wowz

WETZLAR. Wiedermal berichtet an dieser Stelle der beste Freund der ROstoff-Fabrik, Klaus-J. Frahm: Um 20 Uhr klingelte das Telefon im Café Vinyl. Die Anruferin bat den Gastwirt Jens Hofmann, das Programm des Abends umzustellen. Da sie erst um 22 Uhr eintreffen könne, möge doch bitte zunächst „The WoWz“ spielen und später erst Ching Chang Song, damit sie ihre Band noch hören könne. Die Musiker besprachen sich kurz und beschlossen dann jeweils immer abwechselnd drei Stücke zu spielen und zwischendurch einige Lieder gemeinsam zu präsentieren.

Dieses Konzert, bei dem das Publikum sogar den Programmablauf mit beeinflussen konnte, fand jüngst im Wetzlarer Café Vinyl statt. Die Bands kamen aus Amerika und die kleine Kulturgaststätte war mit 60 Konzertbesuchern ungewöhnlich voll. Ching Chang Song eröffnete den Abend mit einer schrägen Ballade, die Julie LaMendola sang, begleitet von Geoff Larson am E-Piano.

Schon beim zweiten Stück griff die außergewöhnlich gute Sängerin zur Säge und ließ den faszinierenden Klang durch den Raum schwingen, der von den Musikbühnen weitgehend verschwunden ist. Die klagende Säge, die schrägen Texte und der unbeirrt virtuos spielende Pianist machten das Konzert sofort zu einem Erlebnis.

Als sich dann Johnny Dydo ans Schlagzeug setzte und Simon Beins und Sam James zu den Gitarren griffen wurde es noch besser. Julie LaMendola ließ die Mandoline jubilieren und die drei Männer von „The WoWz“ ergänzten ihren hellen Sopran um einen mehrstimmigen Basssatz.

The Wowz alleine kamen dann mit lupenreinem Country-and-Western daher, wobei die  Texte den Liebhabern des echten Country sicher missfallen hätten. Wenn Du mich nicht mehr liebst, dann lieb ich meinen Hund, lautete etwa eine der Botschaften, die die smarten Amerikaner im betörenden Gesang verkündeten.Durch die häufigen Wechsel auf der Bühne hatte der Abend den Charakter einer zufälligen Jam-Session auf einer Party und Publikum und Künstler hatten einen regen Gedankenaustausch. Drei Stunden dauerte das bemerkenswerte Konzert und eigentlich hätte es auch ruhig die ganze Nacht dauern dürfen.

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