„Kümmerei“ startet neue Reihe: „Hausbesuch“ beim Architekturbüro Zieske

17. Januar 2010 | Von | Kategorie: Architektur, Ausgecheckt

GIESSEN. Mit der Reihe „Hausbesuche“ starten Manuela Weichenrieder und Jörg Wagner in ihrer Funktion als Leiter des Kulturbüros „Kümmerei“ ein neues Format. Besucht werden Institutionen und Büros, die an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft tätig sind. Zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer der Reihe einmal im Monat einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die Kümmerei begleitet den Abend moderierend und kulinarisch.
Am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr fängt die Reihe beim Architekturbüro Zieske in der Senckenbergstrasse 15 in Gießen an. Thema des Abends: „Architekt sein in Gießen“. Was spannend sein dürfte, weil dem Architekturbüro „ästhetische Qualitäten mehr am Herzen als bauliche Quantitäten“. „Dabei legen wir Wert auf einfache Formgebung, gestalterische Klarheit und den nachvollziehbaren Umgang mit Materialien“, heißt es auf der Internetseite weiter.

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2 Kommentare
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  1. Notiz zum Hausbesuch Nr. 1

    Letzte Woche fand der erste Termin in unserer Reihe Hausbesuche statt. Für alle die nicht da waren fassen wir in dieser Notiz in aller Kürze die Gesprächsfäden, Anregungen und kursierenden Gedanken zusammen.

    Zum Thema „Architekt sein in Gießen“ luden Regina und Nikolaus Zieske alle Interessierten in ihr Büro – das Skalpellchen – ein.
    Gießen hat den Ruf, ein architektonisches Desaster oder zumindest ästhetisches Mittelmaß zu sein. Uns interessierte also, welchen Blick man als Architektenpaar, das seit 2002 in Gießen lebt, arbeitet und an der FH Architektur lehrt, auf die Stadt hat, wie man sich vernetzt und welche Wünsche sich beim Betrachten des „Ist“ ergeben.

    „Bauen im Bestand“ ist der Schwerpunkt, den sich das Architektenpaar gesetzt hat – und da fanden sich in der Gesprächsrunde viele Anknüpfungspunkte. Der Umgang mit dem baulichen Bestand als Ausdruck von Identität und Lebensqualität wurde bemängelt. Identitätsstiftendes fehlt, wird abgerissen oder aus dem Fokus gerückt – das Spiel von urbaner Verdichtung und Freiräumen erscheint zufällig. Die vielen Möglichkeiten wie zum Beispiel die natürlichen Ressourcen Lahn und Wieseck als auch den denkmalwürdigen Bestand z.B. der aufgelassen Industriebauten in nachhaltiger Weise zu nutzen werden selten wahrgenommen.

    Dass ökonomische Sachzwänge freies Denken und Planen nicht zulassen, passiert in Gießen genauso wie in jeder anderen Stadt. Dennoch gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität. Wohlüberlegte Planungen ordnen sich wirtschaftlichen Zwängen unter. Dies führt zu einem ästhetisch willkürlich gestalteten Stadtraum.

    Um den gemeinsamen Wunsch die Stadt im Alltag lebenswerter erscheinen zu lassen, in die Realität umzusetzen, wurden aus dem Gesprächskreis Beispiele aus anderen Städten angeführt, z.B. die Idee eines Stadtbaumeisters, der das bauliche Ganze und die Bedürfnisse, nicht nur die der Investoren und der Wirtschaft, sondern auch die der Bürger im Blick behält und visionäre gesamtplanerische Konzepte umsetzt. Oder ein Gestaltungsbeirat, der als Gremium Kompetenzen aus der Bürgerschaft mit in die Stadtentwicklung überführt.

    Nach zwei Stunden anregenden Gesprächen bei regionalen Leckereien, freuen wir uns auf den nächsten Hausbesuch und bedanken uns bei Gastgebern und Gästen für ihr Engagement.

  2. Das ist eine sehr gute Initiative, meine ich. Sie müssen ja näher den Leuten sein.

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