Mythos der Polarforschung: Museum im Spital zeigt 69 Fotografien von Sir Ernest Henry Shackletons legendärer „Endurance“-Expedition in die Antarktis

16. Januar 2010 | Von | Kategorie: Kunst

GRÜNBERG. Jahreszeitlich könnten die „Fotos aus dem Eis“ von der legendären „Endurance“-Expedition Sir Ernest Henry Shackleton, die das Museum im Spital ab heute zeigt, wohl kaum besser passen. Der britische Polarforscher irischer Abstammung (1874-1922) brach 1914, während der Rest der Welt in der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts versank, mit 27 Begleitern und 70 Hunden vom britischen Süd-Georgien in Richtung Antarktis auf, um die Region rund um das Weddell-Meer zu erforschen und den Südpol zu durchqueren.

Das Schlüsselbild: Die “Endurance” wird vom Packeis zerquetscht.    Bilder: ROstoff

69 der ursprünglich 88 Fotografien, die der Expeditionsfotograf Frank Hurley seiner Zeit gemacht hat, hat Karin Bautz nun für eine Sonderaustellung, kuratiert von den Mannheimer Ausstellungsmachern Ina Brockmann und Peter Reichelt, ins Museum im Spital geholt. Ergänzt von acht Farbfotografien, Zeittafeln und dem 80-minütigen Film „South“, den Frank Hurley ebenfalls während der zweieinhalbjährigen Expedition realisiert hat.

Es ist die Dokumentation einer legendären Unternehmung, die einem die von der Stadt Grünberg geförderte Ausstellung vor Augen führt. Im Hauptraum, so erklärt Bautz, sind die Bilder chronologisch gehängt. Im Zentrum stehen die Zerstörung der im Packeis zerquetschten „Endurance“ und der Überlebenskampf aller Beteiligten auf den so genannten Elephant Islands.

Merkwürdige Gelassenheit im Packeis

In einem kleinen Nebenraum hängen, passend zur abgebildeten Enge, Fotos aus dem Alltag unter Deck. Ein Wunder sei es gewesen, dass niemand bei der Expedition ums Leben kam und 1917, nach einer navigatorischen Meisterleistung Shackletons mit fünf Crewmitgliedern nach Süd-Georgien, alle Expeditionsteilnehmer gerettet werden konnten, so Bautz.

Die Museumschefin schildert aber anhand einiger Fotografien auch ein merkwürdiges Phänomen: Gerade auf Bildern nach dem Untergang der „Endurance“ sieht man Crew-Mitglieder mit Pfeife im Mund lächelnd posieren. „Von Verzweiflung keine Spur“, erklärt sie scherzhaft. Außerdem „eine gute Ergänzung zur Dauerausstellung des Südamerikaforschers Theodor Koch-Grünberg (1872-1924)“ seien die Fotografien, die erstmalig im Hessen gezeigt würden, so Bautz.

Grab auf Grytviken

Shackleton hatte sich spätestens mit dieser, nach „Discovery“ und „Nimrod“ seiner dritten großen Expedition Richtung Südpol, ein Herzleiden zugezogen. Auch wenn ihm zahlreiche Ehren, der Ritterschlag durch Edward VII., Auszeichnungen wie der Preußische Kronenorden sowie der der französischen Ehrenlegion zuteil wurden und Vortragsreisen in die halbe Welt sehen ließen, ging es gesundheitlich ab 1918 bergab. Eine Expedition zum Nordpol blies er ab. Und mit der folgenden  „Quest“-Expedition, nochmals zum Südpol, fuhr er direkt seinem Tod entgegen: Am 4. Januar lief das Schiff in Süd-Georgien ein, und schon tags drauf erlitt Shackleton eine tödliche Herzattacke. Sein Leichnam wurde nicht überführt, so dass Shackletons Grab noch heute in Grytviken (Süd-Georgien) zu finden ist.

verwandte Artikel

Tags: , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar