Zwischen Polaroids und Performance – Der junge Maler Patrick Müller hat mit hoechstglanz.de eine Plattform für Künstler vor Ort gegründet

8. Januar 2010 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Allgemein

GIESSEN. Patrick Müller ist Künstler und Gründer zugleich. Einerseits malt und fotografiert er in unterschiedlichsten Stilen, andererseits hat er mit hoechstglanz.de eine Internetplattform für junge ambitionierte Künstler in und um Gießen gegründet. Die erste Ausgabe hat sich mit dem Thema Bedeutungslosigkeit beschäftigt, für weitere Ausgaben von je etwa 100 Exemplaren sucht Müller noch nach neuen Mitstreitern.

Stil- oder Gattungsgrenzen sind dem 19-Jährigen eher fremd. Der Gießener hat sich bereits in der Street Art wie in klassischer Malerei ausprobiert. Beim letzten Frankfurtbesuch war ein Gang in die Botticelli-Ausstellung deshalb für ihn ebenso selbstverständlich wie eine Stippvisite bei den Werken Peter Roehrs im MMK.

Patrick Müller im Da Vinci, fotografiert von der ROstoff-Fabrik.
Patrick Müller im Da Vinci, fotografiert von der ROstoff-Fabrik.

Beim interdisziplinären Rauschhaus-Projekt im November in einer ehemaligen Kaserne der US-Army hat er nicht nur seine Polaroid-Arbeiten ausgestellt, sondern in einer Performance die Besucher dazu eingeladen, seine Kleidung zu zerschneiden, um die Schrift auf seinem Körper besser entziffern zu können. Parallel dazu hatte Müller in unterschiedlichen Räumen des dreistöckigen Gebäudes seine so genannten Heroin-Bilder untergebracht. Oder besser: fast in Guerilla-Taktik auf Heizkörper und Fensterbänke gelegt. So dass man selbst über den Ausstellungscharakter etwas verunsichert war.

Den originären Fotos geht jeweils ein besonderer Entstehungsprozess voraus. Müller geht für jedes Heroin-Bild den Klischee-Vorstellungen der Drogensucht nach und besucht Bahnhofstoiletten, deren sanitäres Ambiente er auf Polaroids bannt und hinterher Tinte in die Fotos spritzt. Man versteht erst auf den zweiten Blick, dass das Klischee inszeniert ist. So entsteht ein offener Bedeutungsraum, jenseits von ermahnenden Zeigefingern, und natürlich weit ab vom Heroin Chic à la Nan Goldin. Auch wenn Müller zugibt, dass ihn die Lektüre der „Kinder vom Bahnhof“ auf die Idee gebracht hat.

Aktuelle stellt Müller im Green Hill Skateshop sein Bild „Dogtown2“ aus 22 Leinwänden, Acrylfarbe, Wasserfarbe, Sprühlack und Buntstift auf einer großen Leinwand aus. Ganz frisch und nagelneu ist außerdem die „Kaugummi“-Reihe, verfremdete Fotografien, die wie klebrige Fäden auseinander gezogen scheinen.

Derzeit absolviert Müller seinen Zivildienst an der Albert-Schweitzer-Schule und denkt über ein späteres Kunststudium, eventuell in Leipzig nach. Wenn es mit der Mappe aber nicht klappt, kann er sich auch erstmal Kunstpädagogik an der heimischen Justus-Liebig-Universität vorstellen.

Die ROstoff-Fabrik fragt – der Maler Patrick Müller antwortet:

Wann hast Du angefangen zu malen, Kunst zu machen?

Patrick Müller: Gemalt habe ich eigentlich schon immer. Dann hatte ich Kunst-Leistungskurs und einen großartigen Lehrer, der mich in die richtige Richtung gebracht hat. So dass ich auch technische Fertigkeiten bald mit inhaltlicher Auseinandersetzung zusammenbringen konnte.

Brauchst Du einen gewissen Impuls, um mit dem Malen anfangen zu können?

Müller: Nein, überhaupt nicht. Es kommt eine Idee, die ich dann aber auch schnell umsetzen muss. Aber sonst passiert da nichts Außergewöhnliches.

Was hat es mit Deiner Internet-Seite bzw. dem Magazin Höchstglanz und hoechstglanz.de genau auf sich?

Müller: Ich habe lange nur für mich allein gearbeitet und dachte oft, dass es doch noch andere hier in der Gegen wie mich geben muss. So ist ‚Höchstglanz’ eigentlich entstanden, als Ort für junge Künstler. Dabei wird vorwiegend Kunstschaffenden aus der Umgebung ein Platz für ihre Arbeiten geboten. Das Ganze ist als Plattform gedacht, die helfen soll, neue Kontakte zu knüpfen und die ermöglicht, die eigenen Arbeiten präsentieren zu können.

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