Autschn-Finissage und Kurt Schwitters zur Fender-Gittarre: René Marik macht vor über 900 Zuschauern im Audimax Puppentheater zu einem Fest fürs Zwerchfell
13. Dezember 2009 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Kabarett/ComedyGIESSEN. Es gibt Künstler, die gefallen allen und auch noch einem selbst. Was ja zwangsläufig heißt, dass sie schon gut sein müssen. René Marik ist ein solcher Fall. Über 900 Zuschauer im bis in die hinterste Ecke, und seit Wochen, ausverkauften Audimax können kaum irren. Von Mariks Kollegen Rainald Grebe weiß man, dass das Studium des Puppentheaters an der Ernst-Busch-Hochschule, wo auch Marik sein Diplom erwarb, seiner Karriere trotz bereits absolvierter Auftritte im Quatsch Comedy Club noch mal eine enorme Wendung gebracht hat. Marik ist hingegen, nach einem Mathe-Stdium in Siegen, gleich beim Puppenspiel geblieben und kann für sich verbuchen, dass wohl noch niema
ls zuvor ein gefüllter Saal in lautstarke Verzückung geraten ist, weil ein Frosch den Auftritt eines Maulwurfs ankündigt. Wie es in seinem „Abend über die Liebe“ mit dem Haupttitel „Autschn“ eben Programm ist.
Plopp: Rapante, Rapante – allein für die wundersame Kunstsprache seines blindwütigen Helden in Schwarz gehört Marik der Literatur-Nobelpreis verliehen. Oder zumindest der für Lautmalerei. Auch, weil das Ganze sich so herrlich mit dem snobistischen Ton des grünen Herrn Falkenhorst ergänzt. Der gibt dann auch mal den weißen Hai und erzählt viel von seiner ominösen Hollywoodkarriere, während der Maulwurf wieder von der Rapante-Barbie keine Strähne gereicht bekommt und nicht mal in Ruhe Urlaub auf Balkonien machen kann. Deshalb ist Mariks Puppentheater neben den Geräuschpuzzlen und Wortsteinbrüchen natürlich auch so schön, weil es, manchmal auf besonders fiese Weise, von Scheitern und Erfolglosigkeit erzählt. „Autschn“ eben.
Dass der lang gewachsene Marik selbst immer wieder in Erscheinung tritt, hat die ro-stoff-Fabrik, die mit 22 Stimmen ja hierher geschickt wurde, im ersten Moment überrascht. Un
d dann begeistert, denn Marik rezitiert nicht nur kitschige Liebesgedichte der, wohl nur, im Westfälischen zu Ruhm gekommenen Elsbeth Bellartz, sondern bringt auch Kurt Schwitters wunderbare Dada-Strophen „An Anna Blume“ aufs Tapet. Zur Fender-Gitarre zupft er „Du deiner dich dir, ich dir, du mir“ und das Publikum liegt ihm auch dabei zu Füßen. Der Dadaismus passt wie die Faust aufs Auge zu seiner Muppet-Show aus Stoff- und Sprachfetzen. Wie sehr bei Marik, der ohne Umwege gesteht, Comedy zu machen, die Kleinkunst zum Manifest wird, mit kleinen Mitteln, Auslassungen, Bruchstücken und Provisorien ein ganzer Bühnenkosmos entsteht, fasziniert einen bis zur letzten Minute.

Der Auftritt im Audimax markierte leider nicht nur das vorläufige Endes Maulwurfs, sondern auch das Ende des Programms. Im Audimax war Autschn-Finissage, wie Marik selbst erklärte. Doch – der Maulwurf ist tot, es lebe der Maulwurf -, das nächste Programm ist schon fertig und heißt „Kasper POP“, womit Marik am 30. Januar auch in Marburg zu Gast ist.
Wer es nicht abwarten kann, der kann unten Auszüge aus dem letzten Programm sehen.
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