Hymnen und eine Standpauke: Jupiter Jones geben gefeiertes Konzert im Kulturladen KFZ – Vorband Sonar machen souverän die Standheizung
12. Dezember 2009 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: Konzerte

Nicholas, Andreas, Sascha und Marco von Jupiter Jones auf der KFZ-Bühne.
MARBURG. Sie gehen einem einfach nicht mehr aus dem Kopf, die Songs von Jupiter Jones. Fast jeder ein Kracher, eine Hymne. Schon „Alles Glück der Welt“ vom ersten Album „Leise“ und erst recht das aktuelle „Jahr in dem ich schlief“ lassen selbst den voreingenommensten Konzertbesucher mit Augen und Ohren an der Bühne kleben. Literarisch, vor allem von Hesse, inspirierte Strophen und Refrains, grandiose Melodien: „Das war das Jahr der großen Gesten/ Der neu gebore’n und halb verwesten“. Und dass das live so mitreißend und eingängig daherkommt, liegt an dem mittlerweile perfekt eingespielten Quartett aus Sascha Eigner (Gitarre, Gesang), Andreas Becker (Bass) und Marco Hontheim (Schlagzeug) und natürlich der unglaublichen Stimme ihres Frontmanns Nicholas Müller alias Johnny Jones.
Mit einer Mischung aus Wut, Melancholie und mit viel Talent zaubert der Grizzly- wie Teddybär des deutschsprachigen Independent-Rock lakonisch eine Präsenz auf die Bühne, die an Charisma schwer zu überbieten ist. Und ohne Umschweife macht er kleine Scherze über die Abspecktipps und gleichzeitigen Schokoladengeschenke seine Oma.
Ohne Jana Pallaske
Viele Stücke der ersten Platte und natürlich manches vom Neuling, der Dead-Kennedys-Anspielung „Holiday In Catatonia“ bestimmen das Programm. Das wunderbare„Nordpol/Südpol“ muss im KFZ ohne Schauspielerin Jana Pallaske auskommen, auch wenn mancher grölt und von Johnny bereitwillig imitiert wird: „Wie 13 Euro Eintritt und keine Jana Pallaske?“.
Nun denn: Die Vorband Sonar, mit denen die Jonsens auch schon in Biedenkopf, im Vorprogramm einer Kindergruppe für rhythmische Sportgymnastik (erzählt man sich), aufgetreten sind, hatten das Publikum im ausverkauften KFZ schon gut angewärmt. Die Jungs machten souverän die Standheizung, so dass am Ende bei Jupiter Jones sogar gepogt werden konnte. „Kopf hoch und Arsch in Sattel“, „Er lässt auch immer alles fallen“ oder „Eine Landjugend“ sorgen bis spätestens 22 Uhr für gehobenste Stimmung, weil man ja keine Ruhestörung provozieren will. Doch dann fällt Sänger Johnnny noch eine ziemlich überzeugende Standpauke über die unerträgliche Sparwut der öffentlichen Hand im Jugend- und Kulturbereich ein. „Fast die Hälfte der Läden, wo mal Juz draufstand, und mittlerweile pleite und geschlossen“, bricht es aus dem Sänger raus. Und auch wenn die Einschätzung vielleicht etwas über den Daumen gepeilt ist, sie sollte manchem zu denken geben. Doch kein Grund zur Traurigkeit: „Auf das Leben“ und ab dafür in die Nacht. Jupiter Jones sind einfach die beste deutschsprachige Indie-Band seit Kettcar. Jetzt weiß man wenigstens, das sich ein „Leben als Toastbrot im Regen“ lohnt, denn es gibt die Jonesens. Und weil sie keine Lust hatten, sich wegen eines Deal mit einer etablierten Plattenfirma, zu verbiegen, hatten Jupiter Jones bekanntlich gleich nach ihrem 12000-DOwnloads.Erfolg ihres Demos „Auf das Leben“ eben mal ein eigenes Label namens „Mathilda“ gegründet. So ist die ‚Dame’, wie die Jungs ssie nennen, „eine Anhäufung von Wahnsinnigen, die sich verschworen haben, um den Labels dieser Welt gehörig in den Arsch zu treten.“ Respekt!
Für weitere Infos sei auf den lesenswerten Artikel der Visions über Jupiter Jones verwiesen, den man hier lesen kann.
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