Hessen Shorts beschließt seine Kino-Tour in Lich – Filmemacherin Eva Münnich zu Gast

10. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Kino/Film

LICH. Die Kino-Tour der studentischen Kurzfilmreihe „Hessen Shorts 2“ ist gestern Abend im Traumstern zu Ende gegangen. Mit Aufführungen im Deutschen Filmmuseum Frankfurt wie in den Marburger Filmkunstkinos oder dem Lauterbacher Lichtspielhaus konnte die Kurzfilmreihe in neun Städten erfolgreich Beweise für die Kreativität und Vielseitigkeit der jungen Filmemacher in Hessen abliefern. Dem einzigen Filmland, ohne Filmhochschule. Nach wie vor sind es die Filmklassen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), der Kunsthochschule Kassel und den Hochschulen in Darmstadt und Kassel, die mit ihren Produktionen ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Mit Theater- und Medienwissenschaft sowie Kunstpädagogik konnten sich die Marburger und Gießener Unis trotz einiger Filmprojekte in der jüngeren Vergangenheit dem Verbund bisher nicht anschließen.

Filmemacherin Eva Münnich vorm Traumstern.

Filmemacherin Eva Münnich vorm Traumstern.

So waren 17 Filme der vier renommierten Hochschulen landesweit unterwegs. Mit einem Programm, bei dem der Comic- und Animationsanteil deutlich überwogen hat. Filmemacherin Eva Münnich von der HfG Offenbach, die zusammen mit Erwin Heberling vom Filmbüro Hessen, das neben der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) organisatorisch verantwortlich zeichnet, ins Traumstern gekommen war, erklärte das für die HfG im anschließenden Publikumsgespräch mit den allgemeinen Bedingungen und einem deutlichen Akzent auf Post Production: „Drei vier Tage raus zum Drehen und dann den Rest am Computer“, so Münnich im Blick auf ihr Studium in Offenbach. Was absolut kein Negativkriterium sein muss. Münnichs Film „Mikro Makro“ etwa ist ästhetisch ein ungewöhnlicher Mix aus realem und Trickfilm, worin zwei Unbekannte, Monsieur Blue und Madame Rouge, ohne Worte spontan versuchen einem Phänomen auf den Grund zu gehen.  Ebenso wie der ulkige Real-Trick-Mix „Die Seegurke Fabian“ ihres Kommilitonen Boris Dörning hat Münnich mit „Mikro Makro“ beim 3sat-Wettbewerb gewonnen. Beide Kurzfilme laufen in der 3sat-Reihe „Der andere Blick“. Ein bemerkenswert schräges Werk hingegen liefert Münnichs Kommilitonin Katja Baumann mit „Gisela“ ab, einen Animationsfilm über die erste Bankräuberin Deutschlands, allerdings mit Hilfe des stets mitlaufenden Bildbearbeitungsprogrammes erzählt.

Welche unterschiedlichen Tempi und Stimmungen Animation und Trickfilm haben können, zeigen auch die Wiesbadener Beiträge. Von dem Puppenspiel ähnlichen Märchen über die Fragwürdigkeit des Ruhms mit dem Titel „Der Jäger und der Bär“ von Joachim Brandenberg, der damit 2008 auf den Lichter Filmtage und auf der TITVA Köln Preis abräumte, bis zu dem durchgeknallten Butterfly-Effekt-Streifen „Mr. Schwartz, Mr.Hazen & Mr. Horlocker“. Stefan Müller erzählt darin die fatalen Auswirkungen von Missverständnissen und Drogenkonsum, die eine bloße Routinekontrolle wegen Ruhestörung in einem Wohnblock auslöst. Einen Preis gewann Müller damit 2006 bereits auf der Cinefoundation in Cannes.

Kaum ein Film der Hessen Shorts ist überhaupt ohne Preis versehen. So auch die realistisch gedrehten Beiträge. Wenn man das bei Nico Dragos und Dino Muhics „Failed“ überhaupt so sagen kann: Im Techno-Rhythmus von Stroboskop und Lavalampen erzählen die beiden Darmstädter Studenten vom Leben eines DJs auf der Überholspur. Musik, Drogen, Nachtleben und Frauen füllen seinen Lebensinhalt aus. Eine grelle Pillen- und Pulverachterbahn, die mit knapp neun Minuten Dauer genau richtig bemessen ist.

Das Zuckerstück, und auch der längste Film der Reihe, ist jedoch Jonas Ungars 15-Minüter „UpStairs“, eine unendlich humorvolle und originell Allegorie auf die Rücksichtslosigkeit eines Einzelnen, der die Karriereleiter hinauf klettert. Nur das der Protagonist hier erstmal als Schnorrer daherkommt, sich in jeder Wohnung eines vor Anonymität nur so strotzenden Hochhauses mal einnistet, bis er im Penthaus ankommt und keinen mehr reinlässt. Ungars Werk, mit Schauspielern des Kasseler Staatstheater glänzend besetzt, gewann im letzten Jahr einen Preis bei den Haydauer Filmtagen.

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