Therapy? und Ricky Warwick geben grandioses Konzert im Jugendzentrum Jokus

1. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Popkultur

GIESSEN. Was ein Hardcore-Männerabend. Habe nur sieben oder acht Mädels im Publikum gezählt. Unter immerhin 150 Konzertbesuchern im Jokus-Konzertsaal. War aber egal, weil alles irgendwie an die Schulzeit erinnerte: Punkband-T-Shirts, Converse Chucks und jeder Zweite hat eine Metallkette links oder rechts an der Jeans runterhängen. „Live a fucker – die a motherfucker“ skandiert das Publikum auf Anweisung von Therapy-Sänger Andy Cairns, ein kantiger Abgesang auf die Ära George W. Bush. Dann endlich der erste Hit: „Screamager“ habe ich selbst noch immer auf der grellgrünen EP im Regal stehen. Der Song hat Mitte der 90er sicher vielen 16-Jährigen geholfen, schlechte Laune abzubauen. Mit der nicht minder bekannten Nummer „Isolation“ hatten die  Nordiren angefangen, mit „Clowns Galore“, „Church Of Noise“ und „Teethgrinder“ zog das Trio sein Publikum an den Bühnenrand und hüpfend fast bis unter die niedrige Decke.

Im Prinzip lebt ein Therapy-Konzert ja von den freakigen Verrenkungen von Bassist Michael McKeegan, der den Hals seines Instruments zigfach tief ins Publikum hält, auf und ab springt und dabei ständig so sympathisch lächelt wie ein buddhistischer Versicherungsvertreter. Sein harter Stil, den Bass wie eine tiefe, verzerrte und durch ein Synthesizer gejagte Gitarre zu spielen, machen noch immer das unverwechselbare Fundament des Gesamtklangs aus.

Tough Folk For The Masses: Ricky Warwick

Das markante Schlagzeugspiel vom aktuellen Drummer Neil Cooper, das sich nicht weniger beständig durch die hart gespannte Snare-Drum und die Doppelschläge auszeichnet, sorgt auch in Gießen für den nötigen Druck, und trotz einigen Ausfällen im linken Boxenbereich liefert Sänger und Gitarrist Cairns mit seinen Jungs ein mitreißendes Konzert.

Die Entdeckung des Abends war jedoch schon im Vorprogramm zu finden. Kurz nachdem die marktschreierischen Scherze von David am Merchandising-Stand verklangen, steht Ricky Warwick auf der Bühne. Schwarze ölige Haare, dicke Akustikgitarre viel zu tief, fast an den Knien hängend und eine Stimme, die den Pogues-Sound ins 21. Jahrhundert holt. “Tough Folk For The Masses” nennt Warwick das.  Ein Rockabilly-Barde mit irischem Blut, wie er im Buche steht, ehemaliger Frontmann von The Almighty und als Ehemann von MTV-Moderatorin Vanessa Warwick durchaus auch boulevardtauglich. Natürlich kommt auch eine Coverversion von „Ring Of Fire“ in seinem Repertoire vor, und sein „Farewell“-Song – eigentlich „In The Arms Of Belfast Town“ – aus seinem aktuellen Album „Belfast Confetti“ bleibt lange in den Ohren: „So its farewell to New York City – Tomorrow we will be sitting pretty…“. Ein Kollege hat sich sofort die CD gekauft. Es war eben ein Hardcore-Männerabend, der mit „Nowhere“ und „Die Laughing“ endete.                     Bilder: ro-stoff

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