Reiche Ernte im Bühnenherbst: Zwischen Lich und Marburg, Gießen und Wetzlar herrscht derzeit ein ungewöhnlich großes Angebot – da schließt das Keller Theater mit einer urkomischen Beziehungsstudie gekonnt an
29. November 2009 | Von Rüdiger Oberschür | Kategorie: AusgechecktGIESSEN/WETZLAR/LICH/MARBURG. Das Regierungsviertel lag für einen Abend im Theaterpark, die Schauspieler Harald Pfeifer und Petra Soltau als Rainer Langhans und Uschi Obermayer die Kommune 1 wieder auferstehen, Bohlen-Brice-Becker-Merkel- und Kahn-Imitate luden zur Bundespressekonferenz und am Ende hatte eine ominöse Vorgarten-Partei mit vollbärtiger Spitzenkandidatin eine nicht weniger ominöse Wahl gewonnen – Gerade ist eine bunte, wilde und ulkige Nacht am Stadttheater unter dem Motto „Hossa Deutschland“ zu Ende gegangen, da folgen, Lahn auf und Lahn abwärts, auch schon die nächsten Premieren. Der mittelhessische Bühnenherbst wirkt dieser Tage wie ein reich bedeckter Waldboden, voller Kastanien, Bucheckern und Eicheln: Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ der Wetzlarer „Sandkörner“ im Licher Traumstern, Patrick Hamiltons viktorianischer Psycho-Thriller „Gaslicht“ im Neuen Kellertheater, Werner Buhss’ „Deutsche Küche“ im Gießener Musenkeller, ein Miezical in Marburg, Hitchcock und Ibsen am Stadttheater oder ein „Flug des Papageien“ beim German Stage Service in Marburg – das Angebot ist mehr als reichhaltig.
- Von hier aus ging’s ins Regierungsviertel durch den Theaterpark…
- …quasi direkt in die Kommune 1.
- Vikram Singh als Henry und…
- … Lisa Schäfer als Alice…
- …spielen ganz wunderbar Ehe-Komödie.
- Gespannte Krimistimmung beim “Gaslicht” im Neuen Kellertheater. Bild: Schultz
- Rolf Michenfelder in “Ooooh, I need your love, babe”.
- “Deutsche Küche” im Gießener Musenkeller. Bild: Schultz
Während Tarek Assams Tanzcompagnie mit „C’est la vie“ derzeit zur Entdeckung des allgemein bekannten Pariser Lebensgefühls ins Theater im Löbershof (TiL) einlädt, zeigt das englischsprachige Keller Theater in der Kleinen Bühne mit „The Secret Lives of Henry and Alice“ eine urkomische Beziehungsstudie des englischen Komödienautors David Tristram. Die beiden Studenten der Justus-Liebig-Universität Vikram Singh und Lisa Schäfer spielen in der Regie von Rosemary Bock auf treffsicher4em Pointenniveau. Und sprechen, als wären sie Muttersprachler.
„Day Dream Believer“ hieß in den 60ern ein Hit der britischen Beat-Band The Monkees, und er könnte als Soundtrack zu Tristrams Zwei-Personen-Klamotte dienen: Im nicht minder verflixten 13. Jahr ihrer Ehe fällt Henry und Alice im tagtäglichen Trott nicht viel mehr ein, als gegenseitiges Anmeckern und viel, viel Tagträumerei. Und die Hege im Goldfisch Orca. Alice verliert sich regelrecht im Haushalt und Henry pendelt zwischen Firma und Sofa. Um nicht zur Couch Potatoe zu mutieren, fährt man nach Wales, was für ein englisches Paar ungefähr so exotisch anmutet wie für Bremer Stadtmusikanten ein Trip zur Nordesee. Alice wäre lieber nach Kenia gefahren und Henry verliert sich derweil in Fantasien, in denen er mal den Geheimagent, Verführer oder Finanz-Mogul gibt.Auf den wenigen Quadratmetern der Kleinen Bühne geben Singh und Schäfer die Komödie auf hochprofessionelle Weise. Perfektes Timing und gerade Schäfers herausragende Mimik machen den Abend zum absoluten Vergnügen. Das Premierenpublikum im ausverkauiften Saal feierte das Duo samt Regisseurin zu recht ausgiebig.
Weitere Vorstellungen jeweils ab 19.30 Uhr am 4., 5., 11. und 12 Dezember.
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Hallo zusammen,
freue mich über die Berichterstattung! Bitte darauf achten, das wir das
the Keller Theatre (Gießens English Language Theatre)
sind.
Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen
Norfried Stumpf
Chairman
the Keller Theatre